Sonntag, 27. September 2009

in erfüllung meiner bürgerpflicht: lala geht wählen

heute ist wahltag und ganz deutschland aufgerufen, über die zusammensetzung des parlaments für die kommenden vier jahre abzustimmen. hat mich das ganze früher einen scheißdreck interessiert, bin ich inzwischen aber der überzeugung, dass wahlen eine sehr sinnvolle sache sind und gefälligst jeder hinzugehen hat, der dazu berechtigt ist.
meckern tut schließlich irgendwann jeder und wer wählen war, hat zumindest eine kleine chance dass seine interessen von irgendwem irgendwie vertreten werden. es ist auf jeden fall besser, sich die zehn minuten für den weg zum wahllokal zu gönnen und seine zwei kreuze zu setzen als darauf zu warten dass sich der status quo irgendwann von alleine ändert. das tut er nämlich nicht. bewegung, zumindest im politischen sinne ist immer menschengemacht.
also wer heute seine möglichkeit zur veränderung und meinungsäußerung nicht wahrgenommen hat, der möge sich bitte die nächsten vier jahre ein schweigegelübde auferlegen.

ich jedenfalls war gerade wählen und hoffe nun, wie vor vier jahren auch schon, auf besserung. was rauskommt, wird sich zeigen. heute abend ist in der wg des besten kumpels meines kleinen bruders noch eine wahlparty geplant, mit snacks, gepflegtem alkoholkonsum und den liveübertragen zur wahl im tv. diskussionen inklusive.
und schon gestern ging es heiß her, zumindest bei mir im zimmer. mein freund und ich, sonst ein herz und eine seele, der eine mit dem selben scheiß im kopf wie der andere und auch wortlos zur kommunikation fähig, sind nämlich absolut divergent wenn es um parteien geht. zwar teilen wir politisch ziemlich ähnliche ansichten; aber über den weg, diese ziele zu erreichen sind wir uns ganz und gar nicht einig und können ganz heftig diskutieren. so saßen wir gestern voneinander abgewandt vor unseren laptops und haben ein letztes mal parteiprogramme und wahlversprechen durchgeackert. ich, wie immer beim lesen laut mit dem schriftstück streitend, er in seiner unnachahmlich ruhigen art still vor sich hinlesend. und dann haben wir diskutiert, ich natürlich mal wieder lauter als er, einen konsens jedoch nicht erreicht. ich kann mir schon irgendwie vorstellen, dass politische entscheidungsfindung eine harte sache für die zuständigen personen ist, die das in größeren gremien abhandeln müssen als er und ich in unserer zwei-parteien-wohnung.
und das, obwohl wir ja eigentlich dasselbe wollen. selbst für eine ein-parteien-regierung wie china ist das dann gelegentlich schwierig, schätze ich. immerhin gibts auch da verschiedene denkrichtungen.
ich habe mir übrigens von einem dozenten sagen lassen, dass es in china durchaus mehr als eine partei gibt, auch ein paar demokratische sind darunter. sie sind halt nur nicht an der regierung beteiligt. demnächst werde ich aus aktuellem anlass wohl mehr darüber lesen wollen/müssen.

jedenfalls, so uneins wir auch sind, mein persönlicher held und ich, am ende hatten wir uns doch wieder lieb und heute morgen zumindest einen kleinen konsens: alles, aber bitte NICHT schwarz-gelb.

in diesem sinne: hoch die hintern und auf zur urne!

Freitag, 25. September 2009

heimweh nach der ferne

einen wunderschönen guten abend euch allen. 

ich bin wieder daheim in würzburg, wobei ich mir ehrlich gesagt bei diesem "daheim" nicht so sicher bin, irgendwie weiß ich gerade nicht, wo ich hingehöre. der anfang ging noch, aus dem schlimm klimatisierten flugzeug rauszukommen war nach zehn stunden fast bewegungslosen sitzens mit einer böse an schnupfen leidenden olga neben mir eine erleichterung. und mein freund, den ich seit sieben wochen nur über einen kleinen bildschirm betrachten konnte, hat auf mich gewartet. dann war ich daheim, um den jetlag möglichst gering zu halten, bin ich trotz zweier tage schlaflosigkeit erst abends ins bett gegangen. 

ja, und dann hat mich die grippe erwischt, innerhalb von drei stunden hatte ich locker 39 fieber, der anfangs nur nervige husten wurde zur qual und mein kopf besteht aus schmerzen. ich gehe mal nicht davon aus, dass ich mir in letzter sekunde noch die schweinegrippe eingefangen habe sondern dass ich nur einfach keine klimaanlagen vertrage. und selbst wenns die grippe wäre, fänd ich das nicht mal am schlimmsten. viel mehr macht mir die plötzliche stille zu schaffen, die mich umgibt, seit mein freund sich zum lernen aufgerafft hat und dafür nach hause gefahren ist. ich bin das nicht mehr gewohnt. sieben lange wochen war ich fast nie alleine im zimmer, und selbst wenn, alle meine freunde waren im selben wohnheim, im selben stockwerk, nur ein paar zimmer weiter. es war nie ganz still und wenn ich wollte, musste ich nur aus dem zimmer gehen um unterhaltung zu finden. mich jetzt selbst beschäftigen zu müssen ist ungewohnt.

ich habe zwar ab und zu über den mangel an privatsphäre und ruhe gemeckert, aber jetzt, wo ich wieder zurück bin, möchte ich gern nochmal tauschen. ich hab mich mit formularen beschäftigt, um mich abzulenken, aber ich glaube, das war keine gute idee, die deutsche bürokratie ist bestimmt nicht der grund gewesen, warum ich heim wollte. ganz ehrlich, ich bin kaum richtig angekommen und will schon wieder zurück. das heimweh, auf das ich in china gewartet habe und das dann nicht kam, hat sich jetzt eingstellt. 

heimweh nach einem land, das ich kaum kenne ist schon irgendwie krank und ich frage mich, ob es nicht vielleicht nur das unbekannte ist, das mich reizt. nunja, egal, ich weiß immerhin, dass ich bald zurückkommen werde. bis peking sind es nur knapp fünf monate, in den nächsten wochen kann ich wohl schon flug buchen. das macht die sache ein bisschen erträglicher und ich freu mich wie ein schneekönig auf dieses halbe jahr. 

ich hoffe, ihr bleibt mir lesetechnisch treu, auch wenn ich wieder zurück in der normalität bin, ich bin sicher, die ein oder andere bis dato übergangene china-erfahrung findet ihren weg noch in diesen blog. liebe grüße von der krankenstation und lasst es euch gutgehen!

 

Dienstag, 22. September 2009

letzter tag, gemischte gefühle

hej zusammen!

ich fühle mich etwas seltsam, denn heute war unser letzter tag in china. es mischt sich abschiedsschmerz mit vorfreude auf daheim und das ordentliche frühstück, das ich mir dort gönnen werde.
wir haben alles gepackt, was schon zu packen geht, der müll, der sich in den letzten paar tagen angesammelt hat, wurde rausgebracht und ich warte eigentlich nur noch darauf, dass meine wäsche trocknet, damit ich auch die einpacken kann.
irgendwie bin ich ganz froh, dass es jetzt gen heimat geht, bei uns im dritten stock wurde nämlich die universitäre quarantänestation für schweinegrippekranke eingerichtet. die grippe geht gerade rum und man fühlt sich ein bisschen in eine räuberklamotte versetzt, 90% der leute sind vermummt und tragen mundschutz. nicht dass es viel helfen würde, aber ok...
ich bin übrigens der meinung, dass die quarantänestation ein fake ist mit dem zweck, uns vom feiern abzuhalten, das haben wir nämlich immer dort oben getan. nach meiner geburtstagsfeier in der nacht auf den 21. hat es allerdings sehr wüst ausgesehen. von daher kann ich schon verstehen, dass sie uns langsam loshaben wollen.

ich muss noch meine feier nachliefern, den besuch im spa in derselben nacht, den schmerz den man bei einer massage empfinden kann und euch vom siegelmacher erzählen, allerdings erst daheim. hier ist es nämlich schon sehr deutlich nach mitternacht und morgen muss ich fliegen.
wir lesen uns also in zwei tagen, euch alles gute!

Freitag, 18. September 2009

ernste sache: amok an meiner alten schule

dieses mal etwas ernstes.
gestern habe ich meine studivz-seite gecheckt und im buschfunk etwas von amoklauf an einer ansbacher schule gelesen. wie sich bei genauerer nachforschung auf spiegel online dann herausgestellt hat, handelt es sich um mein altes gymnasium. mehrere schüler sind verletzt, einige davon schwer, ein mädchen schwebt nach einem axthieb auf dem kopf in lebensgefahr. der täter war ein abiturient des gymnasiums.
es ist ein komisches gefühl, das sowas in der schule passiert, die mir neun jahre lang sicherer hafen war und an der ich einige der besten momente meines lebens erlebt habe. es ist eine schule, wo jeder jeden kennt, eher eine große familie denn eine lern- und lehranstalt. und ich frage mich, was in dem täter vorging dass er es nötig hatte, menschen zu verletzen und zu bedrohen, die er kannte, denen er vielleicht in der woche zuvor auf dem weg ins klassenzimmer noch lächelnd hallo sagte.
ich versteh schon, dass es tage gibt, die nicht sein sollten, an denen man verzweifelt oder wütend ist und eigentlich nicht weiß, wie man das überwinden soll und einfach kein licht am ende des tunnels sieht. solche momente hat jeder, aber das an anderen in dieser form auszulassen ist armselig. und noch schlimmer ist es wenn keine verzweiflung hinter so einer tat steckt sondern die pure freude oder neugier an der sache.
ich weiß nicht, wie es in diesem fall war, aber das ist auch ziemlich egal. wenn es um das leben anderer geht, versteh ich keinen spass. wer seine aggressionen an anderen abreagiert, statt um den block zu rennen oder sich professionelle hilfe zu suchen, egal aus welchem grund er das tut, verdient meiner meinung nach kein mitleid sondern gehört weggesperrt. mir kann echt niemand erzählen dass man als gymnasiast in diesem alter nichts von hilfsangeboten weiß oder die folgen seines tuns nicht abschätzen kann. ich war selbst schülerin an dieser schule und weiß, dass es auf jeden fall ansprechpartner gegeben hätte.
und eigenes leid ist kein grund, anderen selbiges zuzufügen. das leben ist manchmal krieg, in dem schlachten geschlagen werden müssen, die man auch verlieren kann. und meistens sind es schlachten gegen sich selbst. trotzdem: lieber unrecht leiden als unrecht tun.
wahrscheinlich hat auch mal wieder niemand was gemerkt. im wegschauen ist die menschheit wirklich ziemlich klasse.

mein mitgefühl ist bei denen, die verletzt wurden oder auch "nur" angst haben mussten. ich hoffe dass jetzt alle zusammenhalten und füreinander da sind um über die zeit zu kommen.

in diesem sinne, grüße aus china.

Donnerstag, 17. September 2009

farblicher faux pas: meine neuen schuhe


schuhe, die es in sich haben...



ja, da wär ich wieder. ich bin ja nun seit fünf wochen oder mehr in china und habs bis jetzt immer geschafft, fettnäpfchen zu umgehen und peinliche situationen zu vermeiden. bis heute eben.
olga und ich waren schuhe kaufen, da morgen die offizielle verabschiedung stattfindet, wir dazu gerne unsere qipaos tragen würden und dafür natürlich noch das passende schuhwerk angeschafft werden muss.
einer meiner qipaos ist rot, also suchte ich natürlich nach roten tretern, die farblich passen und elegant sind. gefunden hab ich die, die ihr oben auf dem foto bewundern könnt. olga, die verdammt viel spass am feilschen hat, hat sie für mich zu einen spottpreis erhandelt. ich hab mich gefreut, sie sitzen gut, sehen verdammt gut aus und passen perfekt.
die freude währte eine halbe stunde. dann nämlich tippte mich eine chinesin mit begeisterter miene an und fragte aufgeregt, wann ich denn heiraten würde. ich war verwirrt, wie zum teufel kommt sie jetzt darauf??? schließlich tippte sie meinen schuhkarton an, der auch in sattem rot gehalten war. japp, und dann wusste ich warum. darauf stand in verschnörkelten schriftzeichen "elegante mode für die braut". ich erklärte ihr dann, dass ich nicht vorhätte zu heiraten, was mich wohl endgültig als verpeilten unkultivierten ausländer klassifizierte, der die schuhe unwissenderweise ganz versehentlich erworben hatte. das gelächter der einheimischen war jedenfalls sehr herzhaft, die halbe markthalle hat sich über mich amüsiert und nach einer runde tröstenden schulterklopfens durften olga und ich dann weiterziehen.
ich weiß jedenfalls, was ich morgen NICHT zur feier tragen werde: den roten qipao und die neuen schuhe. ich gehe in schwarz. lieber beerdigung als hochzeit...seufz....

eigentlich hätte ich das wissen müssen. rot ist in china die farbe der freude. rote bändel hängen überall und bei einer traditionellen chinesischen hochzeit ist das brautpaar in rote gewänder gekleidet.
weiß war ursprünglich die farbe der trauer, bei hochzeiten setzt sich aber seit einigen jahren zunehmend die westliche kleidungsvariante durch und die braut kommt ganz in weiß. passt auch irgendwie, schließlich wird sie im idealfall ihr ganzes restliches leben nur mit einem mann verbringen und wenn das mal kein grund zum trauern ist...aber ich glaub, dies ist nicht der richtige platz um mich über meine pessimistische einstellung bezüglich "für immer und ewig" auszulassen.

ansonsten habe ich noch ein paar schicke stiefel erworben. china ist wirklich ein gutes pflaster für einkäufe dieser art. was bei uns in deutschland schuhe kosten, ist unglaublich. die qualität ist hier übrigens nicht unbedingt schlechter...was glaubt ihr denn, wo die nach deutschland importierten schuhe hergestellt werden, hm? auch kleidung ist hier um einiges billiger, deshalb muss ich mich in den nächsten tagen noch richtig schön eindecken. so wirklich lange sind wir ja auch nicht mehr da, weniger als eine woche und an mir nagt schon die abschiedswehmut, ich fühle mich einfach verdammt wohl hier.

ich glaube, das wars für heute, ich wünsche euch noch nen schönen tag!

Mittwoch, 16. September 2009

hocken oder halten: toiletten in china

ich wollte euch den eindruck nicht vorenthalten: die zweite, weniger nobel variante einer chinesischen standardtoilette. füße und hinterlassenschaften sind übrigens nicht meine.





einen wunderschönen nachmittag euch allen!

zuerst mal wollte ich mich für eure aufmerksamkeit bedanken. mein blog hat doch mehr leser, als ich jemals vermutet hätte und es ist irgendwie ein gutes gefühl dass es menschen gibt, die interesse an mir und meinem leben haben und in deren lebenskreisen ich einen kleinen platz habe, so wie sie in meinem. mit euch an meiner seite bin ich bereit, die welt zu erobern und wenn ich mal eine schlacht verliere, weiß ich, dass ich auf jeden fall ne schulter zum ausruhen habe. danke dafür!

ich hatte euch ja die toiletten versprochen....nun gut, ihr habt es nicht anders gewollt.
also, unsere europäische standardtoilette ist in china genau eines nicht: standard. die wenigsten einrichtungen verfügen über ein sitzklo mit wasserspülung, in der uni gibts das nicht, in polizeistationen auch nicht, weder auf autobahnrastplätzen noch in touristenattraktionen. man findet "normale" klos allerhöchstens in besseren hotels oder wohnheimzimmern, die extra für uns bonzige austauschstudenten eingerichtet wurden.
der chinesische standard ist das hockklo. das gibt es, je nach monetären gegebenheiten in verschiedenen ausführungen.
die gehobene variante, wie wir sie zum beispiel in der uni haben, ist eine porzellanwanne mit seitlich zwei erhöhten abtritten, auf die die füße gestellt werden. dann zieht man die hose runter, geht in die hocke und versucht, sich nicht zu beömmeln. im besten falle gibt es auch eine wasserspülung. anfangs ist es recht schwierig, in dieser position sein geschäft zu verrichten, selbst wenn da was eilig rauswill. aber man gewöhnt sich dran.
weniger gehoben ist folgende ausführung: zwei gemauerte stufen für die füße, in der mitte eine rinne, selbe hockposition, nur dass man zum zeitvertreib die hinterlassenschaften seines vorhockers betrachten kann. spülung gibt es nicht, die rinne wird irgendwann von einem in seuchenvermeidungsgewänder gekleideten armen angestellten mit dem wasserschlauch ausgespritzt. den geruch dieser toiletten könnt ihr euch denken. dieser art klo bin ich beispielsweise in einem buddhistischen tempel in harbin begegnet.
dritte variante: ein loch im boden, keine extra abtritte, fäkalien landen entweder in einer grube (gesehen an einer autobahnraststätte) oder rutschen auf einer schrägen rampe hinter dir runter irgendwo in die pampa hinter dem gebäude (polizeistation). das sind die schlimmsten, weil man sich beim erleichtern im freien schnell mückenstiche am hintern zuzieht. und die biester wissen, wo sie warten müssen. vom geruch ganz zu schweigen, selbst unsere nichtraucher haben sich kippen von mir geschnorrt, nur um etwas anderes in der nase zu haben als fäkalienduft.
durchfall ist deshalb eine gefährliche angelegenheit, denn genaues zielen ist schier unmöglich. menstruation ist auch nicht ganz einfach. aber hey, man gewöhnt sich an alles.
ganz allgemein kann ich noch hinzufügen, dass jeder reisende besser einen vorrat an taschentüchern mit sich führen sollte, klopapier ist fast nie vorhanden. und nur 10% der chinesischen männer wäscht sich nach dem gang zur toilette die hände. so evaluiert in unserem hotel in harbin. gut, meist ist eh nichts zum händewaschen da.
falls ihr also jemals nach china kommt, präpariert euch und seit getröstet,nach ein, zwei wochen verschwindet der ekel und es ist eine im wahrsten sinne des wortes "stinknormale" sache, solche aborte zu besuchen.

aber nun weg vom unangenehmen...heut war mein erster ausflug ohne begleitung. also lala gaanz allein im bus, auf der strasse, im taxi, in geschäften. ich war ein bisschen nervös, hat aber alles wunderbar geklappt. und ich hatte das vergnügen, von einem ziemlich hübschen jungen taxifahrer kutschiert zu werden, der sich auch mit mir unterhalten hat. allerdings hatte ich probleme, ihn zu verstehen, weil er genuschelt hat wie...naja...
ich komm also auch in einer millionenstadt allein zurecht, das hat mich sehr beruhigt, ich glaub, so langsam fürchte ich mich vor nichts mehr.
zweck meines ausflugs war die abholung von qipao und kleid. beides passt wie angegossen und ich sag das wirklich nicht oft oder gern, aber die dinger sind scharf...fotos gibts morgen, wenn irgendeiner aus dem wohnheim wieder nüchtern genug ist, um die kamera zu halten.
bis denne also!




Montag, 14. September 2009

klagelied...also hauptsächlich

ja, leute...shenyang war...cool, glaub ich. genau kann ichs euch nicht sagen denn ich war permanent im halbschlaf. um fünf nachts aufgestanden, um halb sechs im bus und dann fünf stunden durch die gegend gefahren. in shenyang angekommen haben wir ne grabanlage besichtigt. danach gabs essen, nicht weiter erwähnenswert, ich war so müde dass mich nicht mal die zwei flaschen schocken konnte, die mir aus dem ersten stock des restaurants auf den kopf gefallen sind. hinterher ein weiterer palast. dann fünf stunden heimfahrt.
normalerweise kann ich in bussen nicht schlafen, aber dieses mal war ich so fertig, dass es ging, ganz gleich in welcher seltsamen position.
ich weiß nur eins: ich werde nie wieder eine gruppenreise mitmachen. aus dem einfachen grund dass ich es hasse, auf leute wegen nichtigkeiten zu warten. wir haben so ein paar mädels im parallelkurs, denen perfektes makeup wichtiger ist als jegliche konventionen oder anstand. wenn 20 leute auf drei hanseln eine halbe stunde warten müssen, weil die meinen, sich noch aufhübschen zu müssen, zerrt das gewaltig an meiner hutschnur. umso mehr, als dass es jedes mal so war, wenn wir loswollten. im palast in shenyang wurde sogar die führung abgebrochen, weil wir in unserem zeitplan so hinterher waren, dank endlosem posing besagter drei damen in immer den selben posituren vor allem möglichen und unmöglichen. wird das denen nicht langweilig?
und, da kann ein klo noch so stinken und verkackt sein, wenns ums makeup geht, die halten das aus...es ist mir ein faszinosum...
falls ich doch noch jemals in der gruppe reise, dann nur mit jungs. lieber rülpsen in der öffentlichkeit als ständiges zur schau stellen...manchmal schäm ich mich echt, eine frau zu sein.

gestern abend hab ich übrigens wieder mal ferngesehen. und inmitten langweiliger werbung für erkältungsmedizin schallt mir auf einmal nightwish in die ohren...ob die wohl wissen, dass der lokalsender für jilin hier einen ihrer songs verwurschtet hat? ich wage es fast zu bezweifeln. nichts desto trotz, ich war erfreut...solange, bis ich auf die dämliche idee kam, final destination zu gucken. der is für mich auf chinesisch auch noch gruselig. geschlafen habe ich jedenfalls weniger gut.

krankheitstechnisch ist alles beim alten, das wird auch nicht besser werden bis ich wieder daheim bin.
ich habe übrigens angefangen, diesen blog hier mit fotos zu bestücken, auch die älteren posts, also guckt mal rein, wenn ihr zeit habt. heut schaff ichs allerdings nicht mehr, es ist schon nach zwei uhr nachts und hochladen dauert immer so verdammt lang.
morgen zieh ich zur entspannung mal allein los und schau mir die guilin lu und die xikang lu an; das sind zwei der interessanteren einkaufsstrassen; vielleicht fällt mir ja noch das ein oder andere mitbringsel in die hände. und morgen gibts endlich ne beschreibung der toiletten, mit foto. das is zu krass. haltet die spucktüte bereit!

liebe grüße aus changchun!

Freitag, 11. September 2009

with a smile i spit on your grave...und nicht nur dahin

hejho zusammen!

schon wieder ist ne woche rum und uns bleibt nicht mehr viel zeit in china. dabei muss noch so viel erledigt werden, hauptsächlich geht es um mitbringsel für freunde und familie und erinnerungsstücke für uns selbst. und bücher. die sind hier nämlich um einiges billiger als in deutschland, für importware legt man durchaus mal das doppelte oder dreifache an geld in die hand des germanischen buchhändlers. ich bin hauptsächlich auf einfache und kurze geschichten aus, die ich mit meinem noch begrenzten wortschatz verstehen kann. und auf die biographie meines lieblingspianisten lang lang:-)

deshalb wird das wochenende ein anstrengendes, morgen heißt es für uns, mitten in der nacht aufzustehen und nach 沈阳 (shenyang) zu fahren, einen tag dort mit besichtigungen zu verbringen um spätabends wieder im wohnheimzu sein. sonntags ist dann einkaufen geplant. hier gibt es für geschäfte übrigens keine freien tage wie in deutschland und geöffnet ist auch je nach kundenaufkommen und laune des geschäftsinhabers bis mitten in der nacht. ich finde das seeehr praktisch, keine hamsterkäufe fürs wochenende unternehmen zu müssen, eine sache,die ich in deutschland vermissen werde.

heute war relativ entspannt. nach der uni sind wir in die stadt gefahren, um uns die residenz des letzten chinesischen kaisers, puyi, anzusehen. nach einrichtung der republik und sturz der manchu-dynastie aus der verbotenen stadt in peking vertrieben, wurde er von den japanern im von ihnen besetzten chinesischen territorium als marionettenregent eingesetzt. doch auch manchukuo, wie dieser staat hieß, überlebte nicht lange. die japaner wurden von guomindang und kommunisten aus china vertrieben und mit ihnen verlor puyi erneut seinen status. der verhätschelte und umschmeichelte ex-regent, dem einst ein riesiges reich zu füßen lag, wandelte sich nach den umerziehungsmaßnahmen der kommunisten zum glühenden anhänger maos. wer mehr wissen möchte, dem empfehle ich wärmstens seine biographie, die mir in dunklen stunden auf der toilette die zeit vertrieben hat und mir den heutigen besuch zum erlebnis werden ließ.
jedenfalls, der palast liegt wie eine traum aus der vergangenheit inmitten der hektischen großstadt changchun. das innenleben erinnert eher an ein feudales europäisches großbürgerhaus denn an eine zufluchtsstätte für den letzten herrscher des reichs der mitte. irgendwie verstopft wirkt es mit seinen vielen kleinen räumen, seidentapeten und den schweren vorhängen, das dämmrige licht der lampen von anno dazumal gibt den räumen zusätzlich eine schwere, düstere atmosphäre. und irgendwie kann mans sich schon vorstellen: ein kindkaiser ohne kindheit und ohne reich, dessen einziger lebensinhalt durch seine stellung von geburt an bestimmt war, den er jetzt verloren hatte. im bewusstsein, nurmehr als marionette zu fungieren, unzufrieden mit dem sein und auf der jagd nach luxus um zu vergessen. seine erste frau, mit 15 an einen unbekannten verheiratet, der sie nie liebte oder mit ihr die ehe vollzog, weswegen sie sich einem seiner untertanen hingab, dafür von ihm neun jahre in vier zimmern eingesperrt wurde und durch opium krank an leib und verstand nach der flucht aus changchun vollends fallengelassen wurde.
ich könnte so weitermachen, aber das würde zu lang. dieses haus atmete wie alle herrscherresidenzen, in denen ich bereits war, das gefühl des unglücklichseins. trotzdem, wenn ihr da seid, schaut es euch an. selbst wenn man macht und geld hat, fehlen liebe und träume, fehlt auch das glück. als moralisches lehrstück ist der palast allemal geeignet.

sonst gibt es nur noch triviales zu berichten. die maus schaut ab und zu mal vorbei, wo sie gerade ist, zeigt meistens ein hysterisches kreischen aus einemder zimmer irgendwo hier im erdgeschoss. olga und ich machen uns nicht mehr zu viel stress deswegen, die schränke bleiben zu, der boden frei und das essen im kühlschrank.
ich hab mich inzwischen an seltsames frühstück, hockklos bzw einfach nur runde löcher im boden zum behufe der entleerung und motivationsdauerbeschallung gewöhnt. was mir aber nie natürlich erscheinen wird, ist das gespucke. chinesische männer jeden alters tun es dauernd und je nach lebenshintergrund und verschleimung der atemwege teilweise auch frauen. es ist echt unangenehm, mit essen in der hand kauend auf der strasse rumzulaufen und hinter dir zieht ein kerl von ganz tief unten hoch und spuckt einen schleimklumpen zwei zentimeter neben deinen fuß.
und sie tun es nicht nur auf der strasse. im restaurant. in der mensa. in der küche der mensa (ich hatte kochkurs und war live dabei...). und - haltet euch fest - im schwimmbad. ohne witz. ich krieg jetzt noch gänsehaut wenn ich daran denke.

ausserdem musste ich einen weiteren schlag einstecken: die hip-hop-fashion hat china erreicht. ich bin heute dem ersten chinesischen gangsta in baggypants, zeltähnlichem shirt und mit viel blingbling behangen in freier wildbahn begegnet. nach dem schock kam der wunsch nach einer augenbinde. scheinbar beginnt selbst die älteste kultur der welt langsam zu verfallen. ich senke mein haupt im gefühl tiefen bedauerns und gehe ins bett.

euch allen eine gute nacht.

Donnerstag, 10. September 2009

von mäusen und menschen

大家好!

im grunde gibt es nicht viel zu berichten.
olga und ich hatten letzte nacht nur ein erlebnis der anderen art.
bereit zum schlafengehen, in unserer verasseltsten bekleidung saß olga noch am laptop, ich döste schon zu den children of bodom in meinem bett langsam ein, als sie mich plötzlich hochschreckte. in unserem zimmer war eine maus, die ganz keck unter der tür durchgehuscht war. und damit begann eine räumaktion sondergleichen. ich hab keine angst vor mäusen, es ist trotzdem creepy, wenn was kleines flinkes an dir vorbeihuscht und du nicht darauf vorbereitet bist. mein albernes gekreische hat bestimmt einige leute aufgeweckt. wir haben dann angefangen, die betten zu verrücken, um der maus keine schmalen ritzen zum verstecken zu bieten. ich weiß echt nicht, aus was chinesische möbel gefertigt sind, aber holz ist das bestimmt nicht. ich tippe auf massives blei. nach einer weile ängstlichen rumgehüpfes auf humanoider seite hat sich die maus dann unter den schrank verkrochen. und bei den schwierigkeiten, die wir mit den betten hatten, war der schrank eine aussichtslose sache. ich hab ihn zwar ein paar zentimeter rücken können, das wars dann aber auch. wir haben uns damit begnügt, zwei der russischen studentinnen zu hilfe zu holen, die letzte woche neu eingezogen sind, kurze zeit später hat sich das problem dann selbst gelöst. der maus wurde die sache zu dumm und sie hat unser zimmer freiwillig verlassen.
jetzt stopfen wir immer alte handtücher in die türritze, um zukünftiges unheil zu vermeiden. und irgendwann, wenn mein rücken sich wieder erholt hat, muss ich noch den schrank wieder zurechtrücken.

morgens und abends haben wir immer noch kein heißes wasser, die einzige möglichkeit zu duschen, ohne den kältetod zu riskieren ist mittags...auch an unseren körpern fordert china seinen tribut. das seltsame wasser, das wir hier haben, macht die haut extrem trocken und unsere haare fühlen sich an wie stroh. bei einigen fallen sie auch vermehrt aus.

ansonsten schmieden wir schon fleißig pläne für peking. angedacht ist eine wg bestehend aus uns fünfen, also olga, isi, yün, kathi und mir; sozusagen als probelauf für die zeit danach, denn die meisten von uns werden für dieses halbe jahr im ausland wohl ihre zimmer und wohnungen kündigen. deshalb, wenn wir uns dann noch riechen können, ist die gelegenheit sehr günstig, sich neu zu orientieren.
zumindest in peking wird es allerdings sehr schwer werden, ein geeignetes objekt zu finden,die chinesen bauen dank platzmangels und ein-kind-politik eher im kleinen rahmen. nunja, wir werden sehen.

heute in zwei wochen sind wir übrigens schon wieder daheim. auch wenn ich nicht weg will, ein bisschen freu ich mich doch schon, euch alle wiederzusehen. der abschied von china, auch wenns nur ein relativ kurzer ist, wird schwerfallen. und es ist auch irgendwie eine schöne sache, einfach nur aus der tür gehen zu müssen und seine freunde umsich zu haben. ich plädiere deswegen für die einrichtung eines wohnheims für coole sinologen in würzburg. und auch das gewimmel und die chaotie chinas werden mir definitiv fehlen. ja, und olga natürlich.
es ist nicht ganz einfach, so lange zeit auf engstem raum zu leben, ab und zu zicken wir uns auch an, aber es ist zumindest bei uns wesentlich besser als bei anderen "pärchen".
wenn das mit der wg klappen würde, wärs eine echt gute sache, denke ich.

so gibts sonst nichts wirklich neues zu vermelden, morgen holen wir unsere hoffentlich endlich passenden qipaos ab.
euch noch einen schönen tag!

Mittwoch, 9. September 2009

mein wochenende: ha'erbin, hitler, haarsträubendes...

freunde der nacht, seid mir gegrüßt!

ich bin seit sonntag abend aus ha'erbin zurück, allerdings musste ich erst schlaf nachholen. und ich schlag mich mit der zweiten erkältung innerhalb von 14 tagen rum, die wohl der kälte geschuldet ist. die temperaturen sind innerhalb von zwei tagen richtig fies gefallen, dazu geht ein starker wind, wir haben keine heizung und kein warmwasser zum duschen. montezuma hat sich bei mir häuslich eingerichtet und wird sich wohl bis ende september nicht mehr vertreiben lassen. ich verbringe meine tage also derzeit hauptsächlich mit unterricht, lernen, frieren und toilette. aber ich will nicht meckern, hey, ich bin in china!

ha'erbin (哈尔滨) muss ich noch nachliefern, schätze ich. das ist die hauptstadt der provinz heilongjiang ( 黑龙江), einer der drei provinzen des dongbei. relativ nahe an der russischen grenze gelegen (also nahe für chinesische verhältnisse), ist der russische einfluss im stadtbild auch deutlich spürbar. geht man durch die innenstadt, fühlt man sich weniger in china als in europa, wären da nicht die chinesischen schilder über den läden, könnte man genausogut in würzburg sein.
jedes vierte geschäft ist speziell auf russische kunden zugeschnitten, mit pelzen a la sibirien, armeeferngläsern, gefälschten zippo-feuerzeugen, schmuck aus dem typischen sehr roten gold und puppen, spiegeln und glitzerkram für die damen.
betritt man einen dieser läden als europäer, ist man auch automatisch russe; und nachdem niemand denkt, dass wir zumindest ein bisschen chinesisch können, kann man die ein oder andere nette bemerkung seitens des personals aufschnappen.
genächtigt haben wir in einem vier-sterne-hotel, dessen gäste, ist ja klar, hauptsächlich russen sind. nach einem anstrengenden tag mit viel rumgesitze im bus hatten wir am abend endlich ein bisschen zeit zur freien verfügung. yün, olga und ich haben sie genutzt, um uns die innenstadt inklusive ihrer einkaufstempel anzuschauen; und tatsächlich wurden wir auch alle fündig.
nach erfolgreicher jagd sind wir noch in einer "american bar" abgestiegen. dort gab es live-musik, eine chinesische sängerin und ein gitarrist, wirklich schön, dazu noch den besten kaffee seit ich in china bin, ha'erbin-bier, das mit unserem deutschen sehr wohl mithalten kann und meine zwei freundinnen. was ein abend. es gibt jemanden, mit dem ich das gern geteilt hätte, der aber leider nicht da sein kann, deshalb war es eine seltsam glücklich-traurige sache, aber vielleicht gerade wegen dieser diversität in meinem inneren der intensivste und beste abend seit langem.

im übrigen fiel mir beim besuch dieser bar einemal mehr auf, dass die chinesen, wie die japaner auch, ein seeehr geringes bzw verzerrtes wissen in puncto weltgeschichte haben. in einer vitrine an der wand hing stolz eine hakenkreuzfahne aus. an den wänden, neben filmstars und gis männer in ss-uniform. auf einem sims an der ecke eine hitler-büste. inmitten von bierfilzen aus aller welt, aufgeblasenen sexgummipuppen beiderlei geschlechts und riesigen afrikanischen phalli.
anderes beispiel dazu ist auch der hausmeister in unserem wohnheim: kurz nach unserer ankunft hat er uns stolz mit gestrecktem arm und "heil" begrüßt.
ich frage mich, ob sie nicht wissen, was damals passiert ist, oder es einfach nicht wissen wollen, oder es wissen, es ihnen aber egal ist.
trotz dieser historischen fehlfunktion ist die bar aber weiterzuempfehlen, also wenn ihr in harbin seid....und unser hausmeister ist auch nett.
ich denke, das ist eine bildungslücke. auch wenn man sich anhört, was chinesen über ihren "chairman" mao wissen. mir stehen ab und zu die haare zu berge. aber dazu vielleicht ein anderes mal.

das nächste worüber ich mich aufregen könnte, ist der umgang der chinesen mit tieren. wir haben am zweiten tag ein gehege für tiger besucht. diese felinen einzelgänger mit in freier wildbahn riesigem revier leben dort in rudeln auf beengtem raum. der fahrer unseres vergitterten busses hielt auch ab und zu direkt auf eines der armen viecher zu, um es für fotos in die enge zu treiben. ich meine, es ist schon beeindruckend, 300kg muskulöse katze rennen zu sehen, kraftvoll und elegant, aber nicht um diesen preis. und am ausgang dann etwas, das mich richtig fertig gemacht hat: ein kleines gehege mit hüfthohem zaun, kein schatten, in der mitte ein stuhl mit echtem tigerfell daruaf und in die ecke gedrängt ein einsames tigerjunges, zu jung um ohne mutter zu leben, verängstigt, verwahrlost und irgendwie krank aussehend. fotos mit dem armen ding für 50kuai. den diensteifrigen chinesen der daneben wache stand und die kunden anlocken wollte, hätte ich am liebsten verprügelt.
ich bin kein moralapostel und auch nicht gewalttätig. und es stimmt, das china genug probleme mit seinen menschen hat, warum sich dann so aufregen wegen eines tigers. mag sein. aber offensichtliches leid für geldmacherei ist mir einfach zuwider. anderes land, andere werte mag mir da jemand an den kopf werfen. aber man sieht, dass das ding krank ist. die chinesen mit ihrer kultur von mehreren tausend jahren und dem philosphen, der mitleid als eine dem menschen angeborene charaktereigenschaft definierte, die ihn erst menschlich macht....sie wissen dass das auf keinen fall richtig ist. und sowas kann ich nicht ab. die ignoranz um des geldes willen.

weiter ging die tortur dann im aqua-park. polarwölfe in einem gehege so groß wie mein zimmer im wohnheim...stumpfsinnig im kreis laufend, total verstört. anderes gehege, gleiche größe, zwei eisbären. wasserbecken, 10x5x5m: zwei belugas. ich dachte ich spinne. wunderschöne tiere...kraft...schwerelosigkeit im wasser, langstreckenschwimmer, eingesperrt.
ich will mich nicht weiter darüber auslassen, ihr wisst, was ich denke.

wir waren dann zum glück relativ schnell wieder draussen, über den park, den wir gesehen haben,gibt es nicht viel zu schreiben, war halt ein park mit ner menge brautpaare, die darin ihre fotos geschossen haben. das war dann auch schon der ganze ausflug.

vielleicht noch ein wort zu einer anderen wohl typisch chinesischen sache. man ist hier ständiger bevormundung ausgesetzt. beispielsweise kann man nicht in einem park am ufer eines flusses sitzen ohne von einem parkwächter weggescheucht zu werden. man könnte ja ins 20cm tiefe wasser fallen.
oder unser führer. fünf minuten hinsetzen um die aussicht zu genießen während die anderen einmal das monument umrunden und dann eh wieder an mir vorbeikommen wird nicht geduldet. ich MUSS mitlaufen.
in china muss alles in der masse passieren, individualismus oder abweichendes verhalten wird nicht gerne gesehen und selbst bei ausländern teilweise nicht geduldet. alles ist masse: massentourismus, massenveranstaltungen, massenunterkünfte etc.
ich hab als individualist aus prinzip und backpacker aus leidenschaft damit ab und zu meine probleme.

bei diesen kritischen tönen will ichs für heute belassen. mein fieber steigt und ich muss noch zum menwatching (das einzig gute, was die massensache hervorbringt: jede menge chinesische studenten duschen im waschraum des männerwohnheims gegenüber. und unser wäscheraum liegt auf einer günstigen ebene. die anderen mädels besorgen grad bier und popcorn...) und meine zwei bier vernichten, bevor ich zu krank dafür bin.

gehabt euch wohl!



Donnerstag, 3. September 2009

heirat: lächeln, nicken, nächstes jahr!

mein hexenschuss hat mich auf letzthin auf den langsam einsetzenden verfall aufmerksam gemacht. und auch sonst ist alter ich china eine komplizierte sache, vor allem für frauen. zuerst einmal wird ein großes geheimnis daraus gemacht, selbst die chinesinnen die ich persönlich besser kenne, verraten es nur hinter vorgehaltener hand und ganz leise ins ohr geflüstert und das auch nur, weil sie sehr neugierig sind, wie alt diese seltsame europäerin ist, die da neben ihnen sitzt. dabei sind sie meistens um einiges jünger als ich, allerhöchstens 22, trotzdem ist es ein "mimi" (geheimnis), über das auf keinen fall offen geredet werden kann. erfährt man das alter seines gegenübers dann doch, ist es angebracht, erstaunt zu tun und zu sagen, dass man das bei dieser jugendlichen erscheinung nie vermutet hätte.
ich hab in der hinsicht ganz gute gene, keiner hält mich für älter als 19. kommt die wahrheit dann ans licht, blickt man in ungläubig staunende mandelaugen. und gleich darauf wird die sache sehr inquisitiv und für mich meist ungemütlich denn: "wann wirst du heiraten" ist die standardfrage. sowohl von männern als auch von frauen!
die ersten paar male hab ich noch versucht, mich rauszuwinden und die europäische freiheit zu betonen, die die emanzipation mit sich bringt. für chinesische frauen ist emanzipation allerdings was anderes: schnell möglichst gut studieren und dann einen mann mit geld heiraten, der einen möglichst hohen lebensstandard für frau und das sichere einzige kind (es sei denn, einer der partner gehört einer ethischen minderheit an, dann greift die ein-kind-politik nicht) gewährleisten kann. mir jedenfalls wurde relativ schnell klargemacht, dass meine nicht vorhandenen heiratspläne eine schreckliche und inakzeptable sache sind. mit fast 26 noch nicht unter der haube, unfassbar...
deswegen bin ich inzwischen dazu übergegangen, auf die frage nach der geplanten heirat mit 明年, nächstes jahr zu antworten. so hat es mir 马老师 in ihrer unendlichen weisheit geraten. und siehe, es funktioniert. meine freunde aus dem reich der mitte nicken daraufhin bedächtig, wünschen mir glück und die sache ist ohne viel stress erledigt.
für peking besorge ich mir definitiv einen fake-verlobungsring. hah!

ansonsten geht hier alles seinen gewohnten gang. olga und ich sind heute in die stadt gefahren, um letzte änderungen an unseren qipaos vornehmen zu lassen. am montag sind sie endlich fertig, und weil sie jetzt schon so schön sind, werde ich sicher ein foto reinstellen.
chinesische großstadt, busfahren, verhandeln und reden sind inzwischen normalität geworden. im grunde ist es ja nicht viel anders als daheim.

was definitiv anders ist, ist der studienbeginn der chinesischen studenten. anstelle von netten campusführungen und meet-the-prof-gatherings wird der chinesische freshman unabhängig vom geschlecht in eine schlammgrüne unisize-uniform gesteckt und verbringt die erste woche mit strammem exerzieren auf dem campusplatz. dafür rückt selbst das militär mit einer hundertschaft an, um das ganze zu überwachen. hätten wir hier nicht sonnenschein und gepflasterte wege, könnte man sich leicht in ein militärlager versetzt fühlen. zu den exerzitien läuft übrigens von morgens bis abends die bereits erwähnte höllische musik. und ja, es ist immer noch die selbe cd. lautsprecher sind auch an allem angebracht, was halbwegs senkrecht im boden steckt. man kann dem ganzen einfach nicht entgehen, meine aggressionen bewältige ich daher mit hausputz.
morgen müssen wir zu allem überfluss bei der militärparade der studenten anwesend sein, die als die offizielle semesterbeginnfeier gilt. in formellen klamotten. das hätten sie mir sagen sollen, bevor ich mit packen fertig war. egal, irgendwie muss es gehen, immerhin fällt dafür der mir inzwischen lästig gewordene unterricht aus.

ich werde vermutlich exzessive leistungsverweigerung betreiben und statt stupiden auswendiglernens im klassenraum lieber in die stadt fahren und mit händlern und eigentümern kleiner restaurants reden und chinesen, die neugierig auf die blasse 老外 (laowai=ausländer/in) sind, gibt es genug. das gefühl, ein seltenes tier im zoo zu sein, bleibt mein beständiger begleiter.

genau wie montezuma, aber da hab ich aufgehört, mich darüber aufzuregen. mit buch auf der toilette zu chillen, hat schließlich auch seinen reiz. für den auflug nach harbin am wochenende setze ich auf die bewährten tabletten. ich bin also mal wieder zwei tage nicht zu erreichen, nur falls es jemand versuchen sollte.

lasst es euch gutgehen, beste grüße aus dem mal wieder in smog gehüllten changchun!

Dienstag, 1. September 2009

willkommen in china: knipsen verboten!

我们吃你 (wir fressen dich)


im naturpark...kurz nach 拉肚子 (la duzi)


ich sehe...ich sehe...die toiletten!!!


im naturpark...kurz vor 拉肚子 (la duzi)


trip zum changbai shan: kurzer blick auf nordkorea



ich war ein bisschen faul in den letzten tagen, ich gebs zu. und auch heute ist es eine überwindung, mich nochmal hinzusetzen und zu schreiben. aber gut.

ich habe festgestellt, dass sich das alter so langsam bemerkbar macht. noch 20 tage bis zu meinem geburtstag, der mich der 30 näher sein lässt als der 20 bisher. dazu hatte ich auch ein recht schönes erlebnis. vorgestern wollte ich abends nochmal aus dem bett aufstehen um zähne zu putzen. ich rollte mich raus, bückte mich und und stand dann in unglaublich lächerlicher haltung mit tränen des schmerzes in den augen in der mitte meines zimmers und konnte weder vor noch zurück: hexenschuss. olga, die alles mitangesehen hatte, musste sich erst mal von einem viertelstündigen lachanfall erholen, bevor sich mich dahin zurückbugsieren konnte, woher ich gekommen war: mein bett. bis gestern abend schlurfte ich noch wie eine siebzigjährige gebückt durchs wohnheim. sascha kam, um fotos zu machen, gehandicapped wie ich war, konnte ich nicht mal gegenmaßnahmen ergreifen. und auch der rest meiner kollegen hat sich köstlich amüsiert. heut gehts wieder, bücken ist mir aber immer noch suspekt, ich will schließlich nicht noch einmal verfrüht ins greisentum katapultiert werden.

ich bin halbwegs froh, dass das erst jetzt passiert ist und nicht bei unserem ausflug. den hätte ich sonst nicht überlebt. mehrstündige busfahrten auf chinesischen strassen führen definitiv zu einem mittelschweren schleudertrauma. wer kennt nicht das lustige gefühl, im bus hinten zu sitzen während der bus über eine bodenwelle fährt: fühlt sich im bauch ziemlich lustig an. leute, macht das nicht in china. setzt euch so weit nach vorn wie möglich. wer die arschkarte zieht und ganz nach hinten muss, hat hinterher wirbelsäulenprobleme und im schlimmsten fall beulen am kopf, die bodenwellen sind berge und die schlaglöcher schluchten und chinesische stoßdämpfer verdienen ihren namen nicht. für kurze zeit wird ab und zu auch die schwerkraft ausgehebelt. meine bandscheiben sind nur noch pfannkuchen, glaub ich. crepes.
weiterhin abzuraten ist von der einnahme von nasenspray während der busfahrt auf solchen strassen. es sei denn, man möchte sich das zeug inklusive glasfläschchen ins riechorgan befördern. meine nase jedenfalls tut immer noch weh. und nein, ich bin nicht süchtig, ich hatte wirklich eine böse erkältung.
ein weiterer punkt der zu vermeiden wäre: das knipsen von photos entlang der grenze zwischen china und nordkorea. auf unserem weg in die changbai-region sind wir mehrere stunden entlang der chinesischen grenze gefahren, nur der fluss yalu trennt china von nordkorea. nach einiger zeit kamen wir in eine stadt, die genau gegenüber der drittgrößten nordkoreanischen ansiedlung liegt. zuerst mal muss gesagt werden, dass "drittgrößte" gar nichts heißt. die stadt ist eher ein kaff, zumindest soweit wir sehen konnten. dann ist sie so unglaublich heruntergekommen, dass selbst die manchmal schon arg verschmockten chinesischen gebäude daneben wie paläste wirken. die menschen dieses landes sind unglaublich arm und leben unter schlimmen verhältnissen, gebäude, wie wir sie da gesehen haben, würden in deutschland wegen einsturzgefahr eingerissen.
unser bus hat gehalten, wir steigen aus um uns die beine zu vertreten und natürlich machen wir auch photos über den fluss. keine drei minuten später war die polizei da, entriss einem unserer lehrer die kamera, löschte die photos und kontrollierte anschließen die meiner kollegen. ich stand auf einem treppenaufgang und habe sie rechtzeitig kommen gesehen, fix die speicherkarte aus der kamera und in meinem bh versteckt, kamera ganz unten in die tasche unter die massen an zugerotzen taschentüchern, die meinem schnupfen geschuldet waren. ich hatte auch noch gebäck in der tasche, das ich schnell auspackte, einen herzhaften bissen nahm und wie ein wiederkäuer mit dem stumpfsinnigsten blick, dessen ich mächtig bin, an den polizisten vorbeischlurfte. die sahen mich zwar misstrauisch an, ließen mich aber passieren, ich sah wohl wirklich zu dumm-harmlos aus. schließlich durften wir weiterfahren, es war nicht mehr weit bis in unser nachtquartier. abends gingen wir noch essen, unserem bus folgte ganz unauffällig ein polizeiwagen ohne licht. und auf dem weg zurück passierten wir eine militärkontrolle.
es wird einem schon etwas anders, wenn ein soldat mit maschinengewehr und unbewegter miene in den bus steigt und alles ausgiebig mustert. die von unseren lehrern angekündigte weitere durchsuchung unseres gepäcks durch die polizie aufgrund des vorfalls an der grenze blieb an diesem abend dann doch aus.
am nächsten morgen stand dann der changbaishan auf dem plan. da auch er mitten auf der grenze zwischen china und nordkorea liegt, war das militär stark präsent. irgendwann gewöhnt man sich einfach daran, wir hätten auch gerne bilder mit den chinesischen soldaten gemacht, die trauten sich aber nicht, weil sie nicht wussten ob das ihre vorschriften erlauben. so hatten wir nur einen kurzen schwatz über chinesisch auf chinesisch und zogen ansonsten unbehelligt von dannen.
zum changbaishan selbst muss ich unbedingt was sagen: ich weiß jetzt, warum dieser schlafende vulkan als heilig angesehen wird. man steht über den wolken auf seltsam federndem bimsgestein, hört nur den wind und unter einem liegt wie ein spiegel der höchstgelegenste, kälteste und tiefste kraterseee chinas, scheinbar unberührt von zeit und raum. da fühlt man sich klein, gleichzeitig friedlich und möchte für immer so stehen bleiben, weil man sich nicht sattsehen kann an dieser rauen, gewaltigen schönheit.
uns trieben dann allerdings die minusgrade schnell wieder zurück in die busse, noch mehrere stunden busfahrt bis zurück nach tongua und dann mit dem nachtzug, in dem sich olga einige nervige bisse von wasauchimmer zugezogen hat, heim nach changchun.
der ausflug war insgesamt recht nett,allerdings zu viel gesitze im bus. für den naturpark mit seinen vielen kleinen wasserfällen und dem schönen wald und den atemberaubenden changbaishan hätte ich gerne mehr zeit gehabt.

und anständige klos, aber davon morgen, sonst träume ich noch davon. nur soviel vorab: wer einmal auf einem chinesischen tankstellenklo war, wird die schlimmste toilette in der schlimmsten spelunke deutschlands (jaahaaa...laby kommt hin....) geradezu hygienisch finden.
euch noch eine schöne nacht!