Sonntag, 20. Dezember 2009

finanzieller freifall und frustrierende fragen: peking, geldbeschaffung, visum

hej zusammen!

ich sitze gerade im hostel und mir ist langweilig. wie schon vorgestern habe ich die nachtschicht, aber im gegensatz zum letzten mal ist es heute relativ ruhig.
es gibt jedenfalls einige neuigkeiten bezüglich peking. letzten montag haben wir mal wieder visumsanträge ausgefüllt und leute, daran werde ich mich nie gewöhnen. nur keinen fehler machen, diese doppedeutig beschrifteten spalten rauben mir immer wieder den letzten nerv, ich weiß nie genau was ich reinschreiben soll und wenn du etwas falsch ausfüllst kann es sein, dass du kein visum bekommst. sehr nett finde ich in dem zusammenhang auch die frage nach geschlechtskrankheiten, immunschwäche oder psychischen problemen. unter den ankreuzbaren kästchen steht dann ganz klein gedruckt dass eine bejahende antwort nicht automatisch zur ablehnung des antrags führt. wers glaubt wird selig, aber zum glück bin ich mit derlei dingen ja nicht belastet.

meinen flug habe ich auch schon gebucht, nur überweisen muss ich das geld noch. für mir sehr schmerzhafte 605€ gehts am 26. februar abends nach frankfurt und in den flieger nach peking. weil wir unser visum wirklich nur für sechs monate bekommen - und keinen tag länger - werde ich am 24. august schon wieder in frankfurt landen. einerseits wurmt mich das, weil ich eigentlich noch ein bisschen rumreisen wollte im reich der mitte, andererseits freue ich mich auch, weil es für meine beziehung besser ist, denke ich. das tut mir ja jetzt schon weh, menschen die ich liebe eben mal ein halbes jahr nicht sehen zu können. für das reisen bleiben mir also noch 22 tage, es sei denn ich bekomme besuch aus der heimat. ab 1. august geht das ja, da ist die uni vorbei.

ich weiß nicht, ob ich vor oder nach changchun über auslandsbafög geschrieben habe. jedenfalls hab ich mich ganz umsonst mit formularen rumgeprügelt, mein antrag wurde nämlich rundheraus abgelehnt. danke, lieber staat, dass du deine netze so spannst dass ich durch alle durchrutsche. naja, irgendwie muss es ja laufen. und wie mir ein netter sachbearbeiter am telefon patzig erklärte ist prostitution ja auch noch eine option. also, nochmals danke. falls ich kann, werde ich als zukünftige millionärin meine steuern bestimmt nicht in der brd entrichten. die hat das gar nicht verdient.

aber weiter zu peking. die kurse sind aufgeteilt. einer den ich gewählt hatte kam leider nicht zustande, deswegen sind es jetzt doch nur 18 sws, aber ich denke, das reicht.
wir sind im übrigen der letzte jahrgang, der unter der flagge des ECCS in peking studieren wird. unsere dozenten wollten sich nicht weiter darüber auslassen, aber es scheint querelen unter den am programm beteiligten deutschen unis zu geben, vor allem zwischen würzburg und tübingen. der frustration in des großmeisters stimme nach zu schließen ist das eine regelrechte schlammschlacht mit gegenseitiger behinderung. mehr weiß ich auch nicht - noch nicht. jedenfalls, das ist mit ein grund, warum wir unsere wohnungen noch nicht zugeteilt bekommen haben, es ging einfach noch nichts im institut ein. und auch das ein oder andere formular fehlt noch. ich schätze, es passiert wie immer alles auf den letzten drücker, ein narr, wer anderes erwartet hat.

ich hoffe trotzdem dass wir dort unten guten unterricht geboten bekommen. und dass unsere wohnung keine absteige ist. und dass ich kein heimweh bekomme. nicht krank werde.
zur vorsicht werde ich demnächst anfangen, durchfalltabletten zu bunkern. ich bin vorbereitet, ha!

ganz anderes thema: ich war am 12.12. auf rammstein-konzert in stuttgart. und hinterher wirklich enttäuscht. ich meine, die show war schon gut, die ganzen pyroeffekte wirklich sehenswert. aber für 70 ecken pro karte erwarte ich mehr als 1,5 stunden konzert, in denen auch noch eine zehnminütige pause enthalten ist. das ist schon sehr hochmütig von den jungs und für mich war das das erste und letzte konzert dieser band, auf das ich gegangen bin.
ansonsten ist alles beim alten. der stress mach micht fertig, ich bin lerntechnisch hinterher und mein spezieller freund, der kühlschrank, lässt seit neuestem butter, wurst, käse, toast und alles was sonst noch drin gelagert ist gefrieren. das hätte ich mal im sommer gebraucht, dann hätt ich mir ab und zu auch ne schachtel eis holen können. hmpf.

so. das wars für heute, der hosteleigene trockner will ausgeräumt werden und ich will mir ja nicht nachsagen lassen müssen, dass ich in meiner arbeitszeit nicht arbeite. euch eine produktive woche und bis bald!


Montag, 30. November 2009

und schon wieder ein countdown...

hej zusammen!

lang ist es her seit meinem letzten eintrag, aber schließlich war ich auch beschäftigt. uni, zwei jobs, haushalt und last but not least eine beziehung...das wird zeitlich schon ganz schön eng. und so wirklich viel zu erzählen gab es sowieso nicht, schließlich will ich hier niemanden mit details aus meinem privatleben langweilen. dafür gibts die privatsender aus der flimmerkiste.

peking rückt näher. ich bin jetzt nur noch gute zweieinhalb monate im lande, bevor ich für mindestens sechs weitere verschwinde, ans andere ende der welt. und naturlich gibts da einiges zu tun. nachdem ich ja jetzt armer gequälter hiwi in der sinologie bin, krieg ich alles hautnah mit, was die vorbereitungen angeht, teilweise erledige ich das persönlich. ich dachte nicht, dass hinter einem auslandssemester soviel formalitätenwust steht.

die erste infoveranstaltung hatten wir auch schon. das war nicht sehr ermutigend, da wir gehört haben, dass es drüben auch schon todesfälle gegeben hat. ich bin jedenfalls verpflichtet, eine versicherung abzuschließen, die meine rückholung im schlimmsten falle garantiert, schließlich möchte sich der chinesische staat nicht mit einer fremden leiche befassen. ich hoffe aber nicht, dass es soweit kommen wird.

auch die kurse sind schon gewählt. wenn alles zusammenkommt wofür ich mich eingeschrieben habe, bin ich bei netten 20 sws. das ist übrigens auch die höchstgrenze dessen, was wir belegen dürfen. davon gehen allein 14 sws für den sprachunterricht weg, ich schätze mal, vokabeln pauken wird da in eine neue dimension geschossen. trotzdem freu ich mich drauf.

sehr gespannt bin ich weiterhin auf die wohnsituation. wohnungen stellt die uni, die diese für uns von privat vermittelt. es gibt wgs von 2 bis 5 leuten, ich werde mir meine mit yün und olga teilen. was ich gesehen habe von den fotos der älteren semester, sehen die zimmer ganz nett aus, und ich fürchte fast, meine residenz hier in würzburg wird dagegen schäbig erscheinen. gut, dafür komm ich hier auch um die hälfte billiger. die wohnungen sind nicht auf dem campus sondern über die stadt verteilt, wir werden also nicht abgeschottet sein wie in changchun sondern so richtiges chinesisches großstadtleben genießen können/müssen. wenn wir allerdings pech haben, kann die anfahrtszeit bis zur uni locker mal zwei stunden betragen, je nachdem wo die wohnung liegt; und wenn der verkehr genauso schlimm ist wie in changchun, ist der weg von und zur uni jedesmal ein himmelfahrtskommando. da fällt mir ein....ich glaube, der todesfall unter den studenten war verkehrsbedingt....

ich habe früher mal über die vielen passfotos geklagt, die ich abgeben musste. und siehe da, schon wieder werden sechs stück verlangt. da ich etwas knapp bei kasse und mit den ergebnissen der fotografen eh nie zufrieden bin, hat mir dieses mal mein persönlicher held unter die arme gegriffen. digitalkamera vor hellem hintergrund, ne halbe stunde rumgehüpfe und ne weitere halbe stunde photoshop, fertig waren die hübschesten passbilder die ich je hatte. ausgedruckt habe ich für 24 stück einen euro zwanzig bezahlt statt der handelsüblichen zwanzig plus. also wenn dieser mann keine qualitäten hat, weiß ich auch nicht. ich werd ihn jedenfalls mehr als vermissen, so ne beziehung über eine so lange zeit zu retten und sich dabei wirklich nie treffen zu können ist schon hart. trotzdem müssen wir das auf uns zukommen lassen und was uns tröstet: wir sind nicht allein. ein bisschen beneide ich da schon yün und sascha und kathi und basti, die dieses abenteuer zusammen durchstehen dürfen.

jaha, ansonsten war ich ende letzter woche noch auf einer sinologenexkursion, der ersten, seit ich angefangen habe (ja, liebes institut, das könnte ruhig öfter stattfinden!). unser großmeister l hat uns im rahmen eines seminars über kultur in der vr in eine ausstellung nach frankfurt geführt. nennt sich kunst für millionen und findet in der schirn statt; sehr sehenswert in jedem falle und mit ein bisschen hintergrundwissen umso interessanter. katalog liegt bei uns in der sinologie, also wer sichs anschauen möchte....meine bewunderung für besagten dozenten ist mit diesem tag ins unermessliche gestiegen. ich glaube, es gibt nichts, was er nicht weiß. egal zu welchem thema. und noch dazu ist er wirklich nett, kein so entmenschter wissenschaftsroboter wie man in in universitäten leider zu häufig findet.

und nachdem ich auch keiner bin, geh ich jetzt schlafen. ich wünsche euch eine produktive nacht.

Freitag, 23. Oktober 2009

gräßliche grammatik: le ist ein a....mindestens!

da bin ich mal wieder...auch wenn es im moment nichts wirklich interessantes zu vermelden gibt. 

die uni hat wieder angefangen; seit gestern habe ich vorlesungen und sprachkurse. das ist nicht lange, trotzdem bin ich mehr als gestresst. der stundeplan ist nicht wirklich nett, ich bin nur selten vor sechs uhr abends daheim und zwischen den vorlesungen liegen viele lücken. klar, da kann man lernen, aber wer tut das schon so konsequent, wenn er mit freunden in der aula oder der cafete rumsitzt. 

beim ersten diktat heute kam dann die bestürzende erkenntnis, dass changchun zwar meinen mündlichen fähigkeiten geholfen hat, während der zwei monate aber ein drittel der jemals gelernten zeichen aus meinem kopf und der hand verschwunden sind. die alle nachzulernen wird ein akt. schönschreiben ist auch nicht mehr, ich verschleife inzwischen die striche, so wie es ein chinese machen würde, wass nicht gerade zur leserlichkeit meiner schriftlichen produktionen beiträgt. und wenns unlesbar ist, gibts nen fehler und damit weniger punkte. hachja!

spass macht chinesisch immer noch, vor allem habe ich mich gefreut, unsere lehrerin wieder zu sehen; das beste ist, dass ich sie inzwischen sogar verstehen kann. mit der grammatik kämpfe ich immernoch, irgendwie will das alles nicht in mein hirn. ich les das in dem tollen buch, das ich mir gekauft habe, das klapp ich dann zu und - schwupp - weg ist das verständnis. 

le ist tatsächlich ein arschloch, weil man es (das weiß ich aber schon länger) auch als liao lesen kann. dann heißt es was anderes, als le ist es signalwort für eine abgeschlossene handlung oder eine gerade eingetretene oder eintretende veränderung eines zustandes. nun kann liao aber auch eine resultativergänzung sein. was im grunde nichts anderes heißt als dass eine handlung auch irgendwie abgeschlossen ist. so. und wie unterscheide ich den scheiß jetzt? und wo stell ich das im satz hin? 

mit solchen sachen verbringe ich also meinen tag. und mit arbeit. im hostel. in der uni. daheim. mein haushalt liegt brach, mein magen auch. zum kochen hab ich einfach keine zeit. und ich sehe mein privatleben den bach runtergehen. 

trotzdem (ja, ich bin masochistisch veranlagt wie es scheint) bin ich gern student. von chinesisch jeden tag das hirn durchgefickt zu bekommen ist ne nette sache.

vielleicht trinke ich heut noch ein glas wein, zum runterkommen. und bis zum nächsten mal wünsche ich euch ne schöne zeit.

Mittwoch, 14. Oktober 2009

suche: formulare, bandscheiben, reichen erbonkel

ja, leute, was soll ich sagen....

ich bin jetzt etwa seit drei wochen wieder hier und china scheint nichts mehr als ein traum gewesen zu sein. unglaublich, wie schnell erlebtes bei mir in irgendeiner schublade verschwindet, um daraus nie wieder aufzutauchen. das ist fast so schlimm wie bei wichtigen dokumenten und meinem schreibtisch. irgendwo muss da ein schwarzes loch sein.

mein chef hat mich heute darauf hingewiesen, dass es ab nächstem jahr keine lohnsteuerkarten mehr geben wird; stattdessen wird das auf elektronisch und chipkarte umgestellt. und laut seiner aussage wurden die formulare dafür bereits verschickt. ich kann mich nur leider nicht erinnern. das einzige was ich mitbekommen habe, ist die elektronische gesundheitskarte, aber nachdem ich weiterhin gegen speicherung meiner personenbezogenen daten auf dubiosen karten für alles und nichts bin, hab ich das formular weggeworfen. ich hoffe nur, dass nicht auch mein finanzämtlicher behördenpapierkram diesen weg eingeschlagen hat.

was gibt es sonst noch zu vermelden...viel ist es nicht. vielleicht dass ich nen hiwijob an der uni habe. erste aufgabe wäre, einen bericht über changchun zu verfassen. aber ich prokrastiniere schon wieder. ansonsten ist am freitag buchmesse. mit messen hab ich schlechte erfahrungen gemacht. also ich meine, ich war erst auf einer, der musikmesse, auch in frankfurt, irgendwann anfang april. danach war eine quasi-beziehung im arsch, was jetzt natürlich nicht an der messe liegt, aber ich bin ein kleines bisschen abergläubisch, was sowas angeht. nachdem aber das glück angeblich mit den tüchtigen sein sollte und ich in letzter zeit mehr als tüchtig bin, lässt mich das hoffen. 

nein, ehrlich. ich arbeite hart. schließlich will peking irgendwie finanziert werden und allein der gedanke daran würde reichen, mir den schlaf zu rauben wenn ich nicht von vornherein so hundemüde wäre. die arbeit im hostel ist momentan ein knochenjob. 

und sonst...achja, ich war auf der geburtstagsfeier des onkels meines freundes. die familie stammt aus russland, dementsprechend hatte ich so meine vorahnungen, was den verlauf der feierlichkeiten angeht. und ich hatte recht. vor allem seine tante - einen halben kopf kleiner als ich, totals süß und ein energiebündel schlimmsten ausmaßes - hat mir zugesetzt. das wort "nachfüllen" hallt bis heute in meinem kopf wieder und was nachgefüllt werden sollte, ist ja wohl klar: das vodka-glas. nach dem motto "essen, dann kannst du trinken" wurde ich systematisch gemästet und abgefüllt, musste aber auch feststellen, dass da was wahres dran ist. ansonsten hätten mir um die zehn vodka und geschätzte drei bier sicherlich den garaus gemacht. 

eine weitere sache, die zu vermeiden wäre, ist die herstellung von augenkontakt zu besagter tante. denn dann musst du tanzen. egal zu was, egal wie, hauptsache du bist auf der tanzfläche und bewegst deine gliedmaßen. ästhetik ist nebensache. übrigens muss ich sagen, dass die tante sehr gut tanzt. wenn ich in diesem alter noch so viel standfestigkeit und feuer in der seele hab wie diese frau, dann bin ich stolz auf mich, ganz ehrlich.

im endeffekt war ich dann doch nicht so betrunken wie ich gefürchtet hatte, mir passt immer noch kleidergröße 36 und die familie scheint cool zu sein. ganz umsonst nervosität geschoben. heimgekommen sind wir übrigens schwer bepackt mit essen. zwei ganze tüten. ich sollte demnächst wirklich wieder schwimmen gehen.

ich glaube, das wars für heute. morgen muss ich wieder arbeiten, nächste woche beginnt die uni-schinderei und der bürostuhl hier killt grad die letzten reste meiner bandscheiben. euch noch einen schönen abend!

Sonntag, 27. September 2009

in erfüllung meiner bürgerpflicht: lala geht wählen

heute ist wahltag und ganz deutschland aufgerufen, über die zusammensetzung des parlaments für die kommenden vier jahre abzustimmen. hat mich das ganze früher einen scheißdreck interessiert, bin ich inzwischen aber der überzeugung, dass wahlen eine sehr sinnvolle sache sind und gefälligst jeder hinzugehen hat, der dazu berechtigt ist.
meckern tut schließlich irgendwann jeder und wer wählen war, hat zumindest eine kleine chance dass seine interessen von irgendwem irgendwie vertreten werden. es ist auf jeden fall besser, sich die zehn minuten für den weg zum wahllokal zu gönnen und seine zwei kreuze zu setzen als darauf zu warten dass sich der status quo irgendwann von alleine ändert. das tut er nämlich nicht. bewegung, zumindest im politischen sinne ist immer menschengemacht.
also wer heute seine möglichkeit zur veränderung und meinungsäußerung nicht wahrgenommen hat, der möge sich bitte die nächsten vier jahre ein schweigegelübde auferlegen.

ich jedenfalls war gerade wählen und hoffe nun, wie vor vier jahren auch schon, auf besserung. was rauskommt, wird sich zeigen. heute abend ist in der wg des besten kumpels meines kleinen bruders noch eine wahlparty geplant, mit snacks, gepflegtem alkoholkonsum und den liveübertragen zur wahl im tv. diskussionen inklusive.
und schon gestern ging es heiß her, zumindest bei mir im zimmer. mein freund und ich, sonst ein herz und eine seele, der eine mit dem selben scheiß im kopf wie der andere und auch wortlos zur kommunikation fähig, sind nämlich absolut divergent wenn es um parteien geht. zwar teilen wir politisch ziemlich ähnliche ansichten; aber über den weg, diese ziele zu erreichen sind wir uns ganz und gar nicht einig und können ganz heftig diskutieren. so saßen wir gestern voneinander abgewandt vor unseren laptops und haben ein letztes mal parteiprogramme und wahlversprechen durchgeackert. ich, wie immer beim lesen laut mit dem schriftstück streitend, er in seiner unnachahmlich ruhigen art still vor sich hinlesend. und dann haben wir diskutiert, ich natürlich mal wieder lauter als er, einen konsens jedoch nicht erreicht. ich kann mir schon irgendwie vorstellen, dass politische entscheidungsfindung eine harte sache für die zuständigen personen ist, die das in größeren gremien abhandeln müssen als er und ich in unserer zwei-parteien-wohnung.
und das, obwohl wir ja eigentlich dasselbe wollen. selbst für eine ein-parteien-regierung wie china ist das dann gelegentlich schwierig, schätze ich. immerhin gibts auch da verschiedene denkrichtungen.
ich habe mir übrigens von einem dozenten sagen lassen, dass es in china durchaus mehr als eine partei gibt, auch ein paar demokratische sind darunter. sie sind halt nur nicht an der regierung beteiligt. demnächst werde ich aus aktuellem anlass wohl mehr darüber lesen wollen/müssen.

jedenfalls, so uneins wir auch sind, mein persönlicher held und ich, am ende hatten wir uns doch wieder lieb und heute morgen zumindest einen kleinen konsens: alles, aber bitte NICHT schwarz-gelb.

in diesem sinne: hoch die hintern und auf zur urne!

Freitag, 25. September 2009

heimweh nach der ferne

einen wunderschönen guten abend euch allen. 

ich bin wieder daheim in würzburg, wobei ich mir ehrlich gesagt bei diesem "daheim" nicht so sicher bin, irgendwie weiß ich gerade nicht, wo ich hingehöre. der anfang ging noch, aus dem schlimm klimatisierten flugzeug rauszukommen war nach zehn stunden fast bewegungslosen sitzens mit einer böse an schnupfen leidenden olga neben mir eine erleichterung. und mein freund, den ich seit sieben wochen nur über einen kleinen bildschirm betrachten konnte, hat auf mich gewartet. dann war ich daheim, um den jetlag möglichst gering zu halten, bin ich trotz zweier tage schlaflosigkeit erst abends ins bett gegangen. 

ja, und dann hat mich die grippe erwischt, innerhalb von drei stunden hatte ich locker 39 fieber, der anfangs nur nervige husten wurde zur qual und mein kopf besteht aus schmerzen. ich gehe mal nicht davon aus, dass ich mir in letzter sekunde noch die schweinegrippe eingefangen habe sondern dass ich nur einfach keine klimaanlagen vertrage. und selbst wenns die grippe wäre, fänd ich das nicht mal am schlimmsten. viel mehr macht mir die plötzliche stille zu schaffen, die mich umgibt, seit mein freund sich zum lernen aufgerafft hat und dafür nach hause gefahren ist. ich bin das nicht mehr gewohnt. sieben lange wochen war ich fast nie alleine im zimmer, und selbst wenn, alle meine freunde waren im selben wohnheim, im selben stockwerk, nur ein paar zimmer weiter. es war nie ganz still und wenn ich wollte, musste ich nur aus dem zimmer gehen um unterhaltung zu finden. mich jetzt selbst beschäftigen zu müssen ist ungewohnt.

ich habe zwar ab und zu über den mangel an privatsphäre und ruhe gemeckert, aber jetzt, wo ich wieder zurück bin, möchte ich gern nochmal tauschen. ich hab mich mit formularen beschäftigt, um mich abzulenken, aber ich glaube, das war keine gute idee, die deutsche bürokratie ist bestimmt nicht der grund gewesen, warum ich heim wollte. ganz ehrlich, ich bin kaum richtig angekommen und will schon wieder zurück. das heimweh, auf das ich in china gewartet habe und das dann nicht kam, hat sich jetzt eingstellt. 

heimweh nach einem land, das ich kaum kenne ist schon irgendwie krank und ich frage mich, ob es nicht vielleicht nur das unbekannte ist, das mich reizt. nunja, egal, ich weiß immerhin, dass ich bald zurückkommen werde. bis peking sind es nur knapp fünf monate, in den nächsten wochen kann ich wohl schon flug buchen. das macht die sache ein bisschen erträglicher und ich freu mich wie ein schneekönig auf dieses halbe jahr. 

ich hoffe, ihr bleibt mir lesetechnisch treu, auch wenn ich wieder zurück in der normalität bin, ich bin sicher, die ein oder andere bis dato übergangene china-erfahrung findet ihren weg noch in diesen blog. liebe grüße von der krankenstation und lasst es euch gutgehen!

 

Dienstag, 22. September 2009

letzter tag, gemischte gefühle

hej zusammen!

ich fühle mich etwas seltsam, denn heute war unser letzter tag in china. es mischt sich abschiedsschmerz mit vorfreude auf daheim und das ordentliche frühstück, das ich mir dort gönnen werde.
wir haben alles gepackt, was schon zu packen geht, der müll, der sich in den letzten paar tagen angesammelt hat, wurde rausgebracht und ich warte eigentlich nur noch darauf, dass meine wäsche trocknet, damit ich auch die einpacken kann.
irgendwie bin ich ganz froh, dass es jetzt gen heimat geht, bei uns im dritten stock wurde nämlich die universitäre quarantänestation für schweinegrippekranke eingerichtet. die grippe geht gerade rum und man fühlt sich ein bisschen in eine räuberklamotte versetzt, 90% der leute sind vermummt und tragen mundschutz. nicht dass es viel helfen würde, aber ok...
ich bin übrigens der meinung, dass die quarantänestation ein fake ist mit dem zweck, uns vom feiern abzuhalten, das haben wir nämlich immer dort oben getan. nach meiner geburtstagsfeier in der nacht auf den 21. hat es allerdings sehr wüst ausgesehen. von daher kann ich schon verstehen, dass sie uns langsam loshaben wollen.

ich muss noch meine feier nachliefern, den besuch im spa in derselben nacht, den schmerz den man bei einer massage empfinden kann und euch vom siegelmacher erzählen, allerdings erst daheim. hier ist es nämlich schon sehr deutlich nach mitternacht und morgen muss ich fliegen.
wir lesen uns also in zwei tagen, euch alles gute!

Freitag, 18. September 2009

ernste sache: amok an meiner alten schule

dieses mal etwas ernstes.
gestern habe ich meine studivz-seite gecheckt und im buschfunk etwas von amoklauf an einer ansbacher schule gelesen. wie sich bei genauerer nachforschung auf spiegel online dann herausgestellt hat, handelt es sich um mein altes gymnasium. mehrere schüler sind verletzt, einige davon schwer, ein mädchen schwebt nach einem axthieb auf dem kopf in lebensgefahr. der täter war ein abiturient des gymnasiums.
es ist ein komisches gefühl, das sowas in der schule passiert, die mir neun jahre lang sicherer hafen war und an der ich einige der besten momente meines lebens erlebt habe. es ist eine schule, wo jeder jeden kennt, eher eine große familie denn eine lern- und lehranstalt. und ich frage mich, was in dem täter vorging dass er es nötig hatte, menschen zu verletzen und zu bedrohen, die er kannte, denen er vielleicht in der woche zuvor auf dem weg ins klassenzimmer noch lächelnd hallo sagte.
ich versteh schon, dass es tage gibt, die nicht sein sollten, an denen man verzweifelt oder wütend ist und eigentlich nicht weiß, wie man das überwinden soll und einfach kein licht am ende des tunnels sieht. solche momente hat jeder, aber das an anderen in dieser form auszulassen ist armselig. und noch schlimmer ist es wenn keine verzweiflung hinter so einer tat steckt sondern die pure freude oder neugier an der sache.
ich weiß nicht, wie es in diesem fall war, aber das ist auch ziemlich egal. wenn es um das leben anderer geht, versteh ich keinen spass. wer seine aggressionen an anderen abreagiert, statt um den block zu rennen oder sich professionelle hilfe zu suchen, egal aus welchem grund er das tut, verdient meiner meinung nach kein mitleid sondern gehört weggesperrt. mir kann echt niemand erzählen dass man als gymnasiast in diesem alter nichts von hilfsangeboten weiß oder die folgen seines tuns nicht abschätzen kann. ich war selbst schülerin an dieser schule und weiß, dass es auf jeden fall ansprechpartner gegeben hätte.
und eigenes leid ist kein grund, anderen selbiges zuzufügen. das leben ist manchmal krieg, in dem schlachten geschlagen werden müssen, die man auch verlieren kann. und meistens sind es schlachten gegen sich selbst. trotzdem: lieber unrecht leiden als unrecht tun.
wahrscheinlich hat auch mal wieder niemand was gemerkt. im wegschauen ist die menschheit wirklich ziemlich klasse.

mein mitgefühl ist bei denen, die verletzt wurden oder auch "nur" angst haben mussten. ich hoffe dass jetzt alle zusammenhalten und füreinander da sind um über die zeit zu kommen.

in diesem sinne, grüße aus china.

Donnerstag, 17. September 2009

farblicher faux pas: meine neuen schuhe


schuhe, die es in sich haben...



ja, da wär ich wieder. ich bin ja nun seit fünf wochen oder mehr in china und habs bis jetzt immer geschafft, fettnäpfchen zu umgehen und peinliche situationen zu vermeiden. bis heute eben.
olga und ich waren schuhe kaufen, da morgen die offizielle verabschiedung stattfindet, wir dazu gerne unsere qipaos tragen würden und dafür natürlich noch das passende schuhwerk angeschafft werden muss.
einer meiner qipaos ist rot, also suchte ich natürlich nach roten tretern, die farblich passen und elegant sind. gefunden hab ich die, die ihr oben auf dem foto bewundern könnt. olga, die verdammt viel spass am feilschen hat, hat sie für mich zu einen spottpreis erhandelt. ich hab mich gefreut, sie sitzen gut, sehen verdammt gut aus und passen perfekt.
die freude währte eine halbe stunde. dann nämlich tippte mich eine chinesin mit begeisterter miene an und fragte aufgeregt, wann ich denn heiraten würde. ich war verwirrt, wie zum teufel kommt sie jetzt darauf??? schließlich tippte sie meinen schuhkarton an, der auch in sattem rot gehalten war. japp, und dann wusste ich warum. darauf stand in verschnörkelten schriftzeichen "elegante mode für die braut". ich erklärte ihr dann, dass ich nicht vorhätte zu heiraten, was mich wohl endgültig als verpeilten unkultivierten ausländer klassifizierte, der die schuhe unwissenderweise ganz versehentlich erworben hatte. das gelächter der einheimischen war jedenfalls sehr herzhaft, die halbe markthalle hat sich über mich amüsiert und nach einer runde tröstenden schulterklopfens durften olga und ich dann weiterziehen.
ich weiß jedenfalls, was ich morgen NICHT zur feier tragen werde: den roten qipao und die neuen schuhe. ich gehe in schwarz. lieber beerdigung als hochzeit...seufz....

eigentlich hätte ich das wissen müssen. rot ist in china die farbe der freude. rote bändel hängen überall und bei einer traditionellen chinesischen hochzeit ist das brautpaar in rote gewänder gekleidet.
weiß war ursprünglich die farbe der trauer, bei hochzeiten setzt sich aber seit einigen jahren zunehmend die westliche kleidungsvariante durch und die braut kommt ganz in weiß. passt auch irgendwie, schließlich wird sie im idealfall ihr ganzes restliches leben nur mit einem mann verbringen und wenn das mal kein grund zum trauern ist...aber ich glaub, dies ist nicht der richtige platz um mich über meine pessimistische einstellung bezüglich "für immer und ewig" auszulassen.

ansonsten habe ich noch ein paar schicke stiefel erworben. china ist wirklich ein gutes pflaster für einkäufe dieser art. was bei uns in deutschland schuhe kosten, ist unglaublich. die qualität ist hier übrigens nicht unbedingt schlechter...was glaubt ihr denn, wo die nach deutschland importierten schuhe hergestellt werden, hm? auch kleidung ist hier um einiges billiger, deshalb muss ich mich in den nächsten tagen noch richtig schön eindecken. so wirklich lange sind wir ja auch nicht mehr da, weniger als eine woche und an mir nagt schon die abschiedswehmut, ich fühle mich einfach verdammt wohl hier.

ich glaube, das wars für heute, ich wünsche euch noch nen schönen tag!

Mittwoch, 16. September 2009

hocken oder halten: toiletten in china

ich wollte euch den eindruck nicht vorenthalten: die zweite, weniger nobel variante einer chinesischen standardtoilette. füße und hinterlassenschaften sind übrigens nicht meine.





einen wunderschönen nachmittag euch allen!

zuerst mal wollte ich mich für eure aufmerksamkeit bedanken. mein blog hat doch mehr leser, als ich jemals vermutet hätte und es ist irgendwie ein gutes gefühl dass es menschen gibt, die interesse an mir und meinem leben haben und in deren lebenskreisen ich einen kleinen platz habe, so wie sie in meinem. mit euch an meiner seite bin ich bereit, die welt zu erobern und wenn ich mal eine schlacht verliere, weiß ich, dass ich auf jeden fall ne schulter zum ausruhen habe. danke dafür!

ich hatte euch ja die toiletten versprochen....nun gut, ihr habt es nicht anders gewollt.
also, unsere europäische standardtoilette ist in china genau eines nicht: standard. die wenigsten einrichtungen verfügen über ein sitzklo mit wasserspülung, in der uni gibts das nicht, in polizeistationen auch nicht, weder auf autobahnrastplätzen noch in touristenattraktionen. man findet "normale" klos allerhöchstens in besseren hotels oder wohnheimzimmern, die extra für uns bonzige austauschstudenten eingerichtet wurden.
der chinesische standard ist das hockklo. das gibt es, je nach monetären gegebenheiten in verschiedenen ausführungen.
die gehobene variante, wie wir sie zum beispiel in der uni haben, ist eine porzellanwanne mit seitlich zwei erhöhten abtritten, auf die die füße gestellt werden. dann zieht man die hose runter, geht in die hocke und versucht, sich nicht zu beömmeln. im besten falle gibt es auch eine wasserspülung. anfangs ist es recht schwierig, in dieser position sein geschäft zu verrichten, selbst wenn da was eilig rauswill. aber man gewöhnt sich dran.
weniger gehoben ist folgende ausführung: zwei gemauerte stufen für die füße, in der mitte eine rinne, selbe hockposition, nur dass man zum zeitvertreib die hinterlassenschaften seines vorhockers betrachten kann. spülung gibt es nicht, die rinne wird irgendwann von einem in seuchenvermeidungsgewänder gekleideten armen angestellten mit dem wasserschlauch ausgespritzt. den geruch dieser toiletten könnt ihr euch denken. dieser art klo bin ich beispielsweise in einem buddhistischen tempel in harbin begegnet.
dritte variante: ein loch im boden, keine extra abtritte, fäkalien landen entweder in einer grube (gesehen an einer autobahnraststätte) oder rutschen auf einer schrägen rampe hinter dir runter irgendwo in die pampa hinter dem gebäude (polizeistation). das sind die schlimmsten, weil man sich beim erleichtern im freien schnell mückenstiche am hintern zuzieht. und die biester wissen, wo sie warten müssen. vom geruch ganz zu schweigen, selbst unsere nichtraucher haben sich kippen von mir geschnorrt, nur um etwas anderes in der nase zu haben als fäkalienduft.
durchfall ist deshalb eine gefährliche angelegenheit, denn genaues zielen ist schier unmöglich. menstruation ist auch nicht ganz einfach. aber hey, man gewöhnt sich an alles.
ganz allgemein kann ich noch hinzufügen, dass jeder reisende besser einen vorrat an taschentüchern mit sich führen sollte, klopapier ist fast nie vorhanden. und nur 10% der chinesischen männer wäscht sich nach dem gang zur toilette die hände. so evaluiert in unserem hotel in harbin. gut, meist ist eh nichts zum händewaschen da.
falls ihr also jemals nach china kommt, präpariert euch und seit getröstet,nach ein, zwei wochen verschwindet der ekel und es ist eine im wahrsten sinne des wortes "stinknormale" sache, solche aborte zu besuchen.

aber nun weg vom unangenehmen...heut war mein erster ausflug ohne begleitung. also lala gaanz allein im bus, auf der strasse, im taxi, in geschäften. ich war ein bisschen nervös, hat aber alles wunderbar geklappt. und ich hatte das vergnügen, von einem ziemlich hübschen jungen taxifahrer kutschiert zu werden, der sich auch mit mir unterhalten hat. allerdings hatte ich probleme, ihn zu verstehen, weil er genuschelt hat wie...naja...
ich komm also auch in einer millionenstadt allein zurecht, das hat mich sehr beruhigt, ich glaub, so langsam fürchte ich mich vor nichts mehr.
zweck meines ausflugs war die abholung von qipao und kleid. beides passt wie angegossen und ich sag das wirklich nicht oft oder gern, aber die dinger sind scharf...fotos gibts morgen, wenn irgendeiner aus dem wohnheim wieder nüchtern genug ist, um die kamera zu halten.
bis denne also!




Montag, 14. September 2009

klagelied...also hauptsächlich

ja, leute...shenyang war...cool, glaub ich. genau kann ichs euch nicht sagen denn ich war permanent im halbschlaf. um fünf nachts aufgestanden, um halb sechs im bus und dann fünf stunden durch die gegend gefahren. in shenyang angekommen haben wir ne grabanlage besichtigt. danach gabs essen, nicht weiter erwähnenswert, ich war so müde dass mich nicht mal die zwei flaschen schocken konnte, die mir aus dem ersten stock des restaurants auf den kopf gefallen sind. hinterher ein weiterer palast. dann fünf stunden heimfahrt.
normalerweise kann ich in bussen nicht schlafen, aber dieses mal war ich so fertig, dass es ging, ganz gleich in welcher seltsamen position.
ich weiß nur eins: ich werde nie wieder eine gruppenreise mitmachen. aus dem einfachen grund dass ich es hasse, auf leute wegen nichtigkeiten zu warten. wir haben so ein paar mädels im parallelkurs, denen perfektes makeup wichtiger ist als jegliche konventionen oder anstand. wenn 20 leute auf drei hanseln eine halbe stunde warten müssen, weil die meinen, sich noch aufhübschen zu müssen, zerrt das gewaltig an meiner hutschnur. umso mehr, als dass es jedes mal so war, wenn wir loswollten. im palast in shenyang wurde sogar die führung abgebrochen, weil wir in unserem zeitplan so hinterher waren, dank endlosem posing besagter drei damen in immer den selben posituren vor allem möglichen und unmöglichen. wird das denen nicht langweilig?
und, da kann ein klo noch so stinken und verkackt sein, wenns ums makeup geht, die halten das aus...es ist mir ein faszinosum...
falls ich doch noch jemals in der gruppe reise, dann nur mit jungs. lieber rülpsen in der öffentlichkeit als ständiges zur schau stellen...manchmal schäm ich mich echt, eine frau zu sein.

gestern abend hab ich übrigens wieder mal ferngesehen. und inmitten langweiliger werbung für erkältungsmedizin schallt mir auf einmal nightwish in die ohren...ob die wohl wissen, dass der lokalsender für jilin hier einen ihrer songs verwurschtet hat? ich wage es fast zu bezweifeln. nichts desto trotz, ich war erfreut...solange, bis ich auf die dämliche idee kam, final destination zu gucken. der is für mich auf chinesisch auch noch gruselig. geschlafen habe ich jedenfalls weniger gut.

krankheitstechnisch ist alles beim alten, das wird auch nicht besser werden bis ich wieder daheim bin.
ich habe übrigens angefangen, diesen blog hier mit fotos zu bestücken, auch die älteren posts, also guckt mal rein, wenn ihr zeit habt. heut schaff ichs allerdings nicht mehr, es ist schon nach zwei uhr nachts und hochladen dauert immer so verdammt lang.
morgen zieh ich zur entspannung mal allein los und schau mir die guilin lu und die xikang lu an; das sind zwei der interessanteren einkaufsstrassen; vielleicht fällt mir ja noch das ein oder andere mitbringsel in die hände. und morgen gibts endlich ne beschreibung der toiletten, mit foto. das is zu krass. haltet die spucktüte bereit!

liebe grüße aus changchun!

Freitag, 11. September 2009

with a smile i spit on your grave...und nicht nur dahin

hejho zusammen!

schon wieder ist ne woche rum und uns bleibt nicht mehr viel zeit in china. dabei muss noch so viel erledigt werden, hauptsächlich geht es um mitbringsel für freunde und familie und erinnerungsstücke für uns selbst. und bücher. die sind hier nämlich um einiges billiger als in deutschland, für importware legt man durchaus mal das doppelte oder dreifache an geld in die hand des germanischen buchhändlers. ich bin hauptsächlich auf einfache und kurze geschichten aus, die ich mit meinem noch begrenzten wortschatz verstehen kann. und auf die biographie meines lieblingspianisten lang lang:-)

deshalb wird das wochenende ein anstrengendes, morgen heißt es für uns, mitten in der nacht aufzustehen und nach 沈阳 (shenyang) zu fahren, einen tag dort mit besichtigungen zu verbringen um spätabends wieder im wohnheimzu sein. sonntags ist dann einkaufen geplant. hier gibt es für geschäfte übrigens keine freien tage wie in deutschland und geöffnet ist auch je nach kundenaufkommen und laune des geschäftsinhabers bis mitten in der nacht. ich finde das seeehr praktisch, keine hamsterkäufe fürs wochenende unternehmen zu müssen, eine sache,die ich in deutschland vermissen werde.

heute war relativ entspannt. nach der uni sind wir in die stadt gefahren, um uns die residenz des letzten chinesischen kaisers, puyi, anzusehen. nach einrichtung der republik und sturz der manchu-dynastie aus der verbotenen stadt in peking vertrieben, wurde er von den japanern im von ihnen besetzten chinesischen territorium als marionettenregent eingesetzt. doch auch manchukuo, wie dieser staat hieß, überlebte nicht lange. die japaner wurden von guomindang und kommunisten aus china vertrieben und mit ihnen verlor puyi erneut seinen status. der verhätschelte und umschmeichelte ex-regent, dem einst ein riesiges reich zu füßen lag, wandelte sich nach den umerziehungsmaßnahmen der kommunisten zum glühenden anhänger maos. wer mehr wissen möchte, dem empfehle ich wärmstens seine biographie, die mir in dunklen stunden auf der toilette die zeit vertrieben hat und mir den heutigen besuch zum erlebnis werden ließ.
jedenfalls, der palast liegt wie eine traum aus der vergangenheit inmitten der hektischen großstadt changchun. das innenleben erinnert eher an ein feudales europäisches großbürgerhaus denn an eine zufluchtsstätte für den letzten herrscher des reichs der mitte. irgendwie verstopft wirkt es mit seinen vielen kleinen räumen, seidentapeten und den schweren vorhängen, das dämmrige licht der lampen von anno dazumal gibt den räumen zusätzlich eine schwere, düstere atmosphäre. und irgendwie kann mans sich schon vorstellen: ein kindkaiser ohne kindheit und ohne reich, dessen einziger lebensinhalt durch seine stellung von geburt an bestimmt war, den er jetzt verloren hatte. im bewusstsein, nurmehr als marionette zu fungieren, unzufrieden mit dem sein und auf der jagd nach luxus um zu vergessen. seine erste frau, mit 15 an einen unbekannten verheiratet, der sie nie liebte oder mit ihr die ehe vollzog, weswegen sie sich einem seiner untertanen hingab, dafür von ihm neun jahre in vier zimmern eingesperrt wurde und durch opium krank an leib und verstand nach der flucht aus changchun vollends fallengelassen wurde.
ich könnte so weitermachen, aber das würde zu lang. dieses haus atmete wie alle herrscherresidenzen, in denen ich bereits war, das gefühl des unglücklichseins. trotzdem, wenn ihr da seid, schaut es euch an. selbst wenn man macht und geld hat, fehlen liebe und träume, fehlt auch das glück. als moralisches lehrstück ist der palast allemal geeignet.

sonst gibt es nur noch triviales zu berichten. die maus schaut ab und zu mal vorbei, wo sie gerade ist, zeigt meistens ein hysterisches kreischen aus einemder zimmer irgendwo hier im erdgeschoss. olga und ich machen uns nicht mehr zu viel stress deswegen, die schränke bleiben zu, der boden frei und das essen im kühlschrank.
ich hab mich inzwischen an seltsames frühstück, hockklos bzw einfach nur runde löcher im boden zum behufe der entleerung und motivationsdauerbeschallung gewöhnt. was mir aber nie natürlich erscheinen wird, ist das gespucke. chinesische männer jeden alters tun es dauernd und je nach lebenshintergrund und verschleimung der atemwege teilweise auch frauen. es ist echt unangenehm, mit essen in der hand kauend auf der strasse rumzulaufen und hinter dir zieht ein kerl von ganz tief unten hoch und spuckt einen schleimklumpen zwei zentimeter neben deinen fuß.
und sie tun es nicht nur auf der strasse. im restaurant. in der mensa. in der küche der mensa (ich hatte kochkurs und war live dabei...). und - haltet euch fest - im schwimmbad. ohne witz. ich krieg jetzt noch gänsehaut wenn ich daran denke.

ausserdem musste ich einen weiteren schlag einstecken: die hip-hop-fashion hat china erreicht. ich bin heute dem ersten chinesischen gangsta in baggypants, zeltähnlichem shirt und mit viel blingbling behangen in freier wildbahn begegnet. nach dem schock kam der wunsch nach einer augenbinde. scheinbar beginnt selbst die älteste kultur der welt langsam zu verfallen. ich senke mein haupt im gefühl tiefen bedauerns und gehe ins bett.

euch allen eine gute nacht.

Donnerstag, 10. September 2009

von mäusen und menschen

大家好!

im grunde gibt es nicht viel zu berichten.
olga und ich hatten letzte nacht nur ein erlebnis der anderen art.
bereit zum schlafengehen, in unserer verasseltsten bekleidung saß olga noch am laptop, ich döste schon zu den children of bodom in meinem bett langsam ein, als sie mich plötzlich hochschreckte. in unserem zimmer war eine maus, die ganz keck unter der tür durchgehuscht war. und damit begann eine räumaktion sondergleichen. ich hab keine angst vor mäusen, es ist trotzdem creepy, wenn was kleines flinkes an dir vorbeihuscht und du nicht darauf vorbereitet bist. mein albernes gekreische hat bestimmt einige leute aufgeweckt. wir haben dann angefangen, die betten zu verrücken, um der maus keine schmalen ritzen zum verstecken zu bieten. ich weiß echt nicht, aus was chinesische möbel gefertigt sind, aber holz ist das bestimmt nicht. ich tippe auf massives blei. nach einer weile ängstlichen rumgehüpfes auf humanoider seite hat sich die maus dann unter den schrank verkrochen. und bei den schwierigkeiten, die wir mit den betten hatten, war der schrank eine aussichtslose sache. ich hab ihn zwar ein paar zentimeter rücken können, das wars dann aber auch. wir haben uns damit begnügt, zwei der russischen studentinnen zu hilfe zu holen, die letzte woche neu eingezogen sind, kurze zeit später hat sich das problem dann selbst gelöst. der maus wurde die sache zu dumm und sie hat unser zimmer freiwillig verlassen.
jetzt stopfen wir immer alte handtücher in die türritze, um zukünftiges unheil zu vermeiden. und irgendwann, wenn mein rücken sich wieder erholt hat, muss ich noch den schrank wieder zurechtrücken.

morgens und abends haben wir immer noch kein heißes wasser, die einzige möglichkeit zu duschen, ohne den kältetod zu riskieren ist mittags...auch an unseren körpern fordert china seinen tribut. das seltsame wasser, das wir hier haben, macht die haut extrem trocken und unsere haare fühlen sich an wie stroh. bei einigen fallen sie auch vermehrt aus.

ansonsten schmieden wir schon fleißig pläne für peking. angedacht ist eine wg bestehend aus uns fünfen, also olga, isi, yün, kathi und mir; sozusagen als probelauf für die zeit danach, denn die meisten von uns werden für dieses halbe jahr im ausland wohl ihre zimmer und wohnungen kündigen. deshalb, wenn wir uns dann noch riechen können, ist die gelegenheit sehr günstig, sich neu zu orientieren.
zumindest in peking wird es allerdings sehr schwer werden, ein geeignetes objekt zu finden,die chinesen bauen dank platzmangels und ein-kind-politik eher im kleinen rahmen. nunja, wir werden sehen.

heute in zwei wochen sind wir übrigens schon wieder daheim. auch wenn ich nicht weg will, ein bisschen freu ich mich doch schon, euch alle wiederzusehen. der abschied von china, auch wenns nur ein relativ kurzer ist, wird schwerfallen. und es ist auch irgendwie eine schöne sache, einfach nur aus der tür gehen zu müssen und seine freunde umsich zu haben. ich plädiere deswegen für die einrichtung eines wohnheims für coole sinologen in würzburg. und auch das gewimmel und die chaotie chinas werden mir definitiv fehlen. ja, und olga natürlich.
es ist nicht ganz einfach, so lange zeit auf engstem raum zu leben, ab und zu zicken wir uns auch an, aber es ist zumindest bei uns wesentlich besser als bei anderen "pärchen".
wenn das mit der wg klappen würde, wärs eine echt gute sache, denke ich.

so gibts sonst nichts wirklich neues zu vermelden, morgen holen wir unsere hoffentlich endlich passenden qipaos ab.
euch noch einen schönen tag!

Mittwoch, 9. September 2009

mein wochenende: ha'erbin, hitler, haarsträubendes...

freunde der nacht, seid mir gegrüßt!

ich bin seit sonntag abend aus ha'erbin zurück, allerdings musste ich erst schlaf nachholen. und ich schlag mich mit der zweiten erkältung innerhalb von 14 tagen rum, die wohl der kälte geschuldet ist. die temperaturen sind innerhalb von zwei tagen richtig fies gefallen, dazu geht ein starker wind, wir haben keine heizung und kein warmwasser zum duschen. montezuma hat sich bei mir häuslich eingerichtet und wird sich wohl bis ende september nicht mehr vertreiben lassen. ich verbringe meine tage also derzeit hauptsächlich mit unterricht, lernen, frieren und toilette. aber ich will nicht meckern, hey, ich bin in china!

ha'erbin (哈尔滨) muss ich noch nachliefern, schätze ich. das ist die hauptstadt der provinz heilongjiang ( 黑龙江), einer der drei provinzen des dongbei. relativ nahe an der russischen grenze gelegen (also nahe für chinesische verhältnisse), ist der russische einfluss im stadtbild auch deutlich spürbar. geht man durch die innenstadt, fühlt man sich weniger in china als in europa, wären da nicht die chinesischen schilder über den läden, könnte man genausogut in würzburg sein.
jedes vierte geschäft ist speziell auf russische kunden zugeschnitten, mit pelzen a la sibirien, armeeferngläsern, gefälschten zippo-feuerzeugen, schmuck aus dem typischen sehr roten gold und puppen, spiegeln und glitzerkram für die damen.
betritt man einen dieser läden als europäer, ist man auch automatisch russe; und nachdem niemand denkt, dass wir zumindest ein bisschen chinesisch können, kann man die ein oder andere nette bemerkung seitens des personals aufschnappen.
genächtigt haben wir in einem vier-sterne-hotel, dessen gäste, ist ja klar, hauptsächlich russen sind. nach einem anstrengenden tag mit viel rumgesitze im bus hatten wir am abend endlich ein bisschen zeit zur freien verfügung. yün, olga und ich haben sie genutzt, um uns die innenstadt inklusive ihrer einkaufstempel anzuschauen; und tatsächlich wurden wir auch alle fündig.
nach erfolgreicher jagd sind wir noch in einer "american bar" abgestiegen. dort gab es live-musik, eine chinesische sängerin und ein gitarrist, wirklich schön, dazu noch den besten kaffee seit ich in china bin, ha'erbin-bier, das mit unserem deutschen sehr wohl mithalten kann und meine zwei freundinnen. was ein abend. es gibt jemanden, mit dem ich das gern geteilt hätte, der aber leider nicht da sein kann, deshalb war es eine seltsam glücklich-traurige sache, aber vielleicht gerade wegen dieser diversität in meinem inneren der intensivste und beste abend seit langem.

im übrigen fiel mir beim besuch dieser bar einemal mehr auf, dass die chinesen, wie die japaner auch, ein seeehr geringes bzw verzerrtes wissen in puncto weltgeschichte haben. in einer vitrine an der wand hing stolz eine hakenkreuzfahne aus. an den wänden, neben filmstars und gis männer in ss-uniform. auf einem sims an der ecke eine hitler-büste. inmitten von bierfilzen aus aller welt, aufgeblasenen sexgummipuppen beiderlei geschlechts und riesigen afrikanischen phalli.
anderes beispiel dazu ist auch der hausmeister in unserem wohnheim: kurz nach unserer ankunft hat er uns stolz mit gestrecktem arm und "heil" begrüßt.
ich frage mich, ob sie nicht wissen, was damals passiert ist, oder es einfach nicht wissen wollen, oder es wissen, es ihnen aber egal ist.
trotz dieser historischen fehlfunktion ist die bar aber weiterzuempfehlen, also wenn ihr in harbin seid....und unser hausmeister ist auch nett.
ich denke, das ist eine bildungslücke. auch wenn man sich anhört, was chinesen über ihren "chairman" mao wissen. mir stehen ab und zu die haare zu berge. aber dazu vielleicht ein anderes mal.

das nächste worüber ich mich aufregen könnte, ist der umgang der chinesen mit tieren. wir haben am zweiten tag ein gehege für tiger besucht. diese felinen einzelgänger mit in freier wildbahn riesigem revier leben dort in rudeln auf beengtem raum. der fahrer unseres vergitterten busses hielt auch ab und zu direkt auf eines der armen viecher zu, um es für fotos in die enge zu treiben. ich meine, es ist schon beeindruckend, 300kg muskulöse katze rennen zu sehen, kraftvoll und elegant, aber nicht um diesen preis. und am ausgang dann etwas, das mich richtig fertig gemacht hat: ein kleines gehege mit hüfthohem zaun, kein schatten, in der mitte ein stuhl mit echtem tigerfell daruaf und in die ecke gedrängt ein einsames tigerjunges, zu jung um ohne mutter zu leben, verängstigt, verwahrlost und irgendwie krank aussehend. fotos mit dem armen ding für 50kuai. den diensteifrigen chinesen der daneben wache stand und die kunden anlocken wollte, hätte ich am liebsten verprügelt.
ich bin kein moralapostel und auch nicht gewalttätig. und es stimmt, das china genug probleme mit seinen menschen hat, warum sich dann so aufregen wegen eines tigers. mag sein. aber offensichtliches leid für geldmacherei ist mir einfach zuwider. anderes land, andere werte mag mir da jemand an den kopf werfen. aber man sieht, dass das ding krank ist. die chinesen mit ihrer kultur von mehreren tausend jahren und dem philosphen, der mitleid als eine dem menschen angeborene charaktereigenschaft definierte, die ihn erst menschlich macht....sie wissen dass das auf keinen fall richtig ist. und sowas kann ich nicht ab. die ignoranz um des geldes willen.

weiter ging die tortur dann im aqua-park. polarwölfe in einem gehege so groß wie mein zimmer im wohnheim...stumpfsinnig im kreis laufend, total verstört. anderes gehege, gleiche größe, zwei eisbären. wasserbecken, 10x5x5m: zwei belugas. ich dachte ich spinne. wunderschöne tiere...kraft...schwerelosigkeit im wasser, langstreckenschwimmer, eingesperrt.
ich will mich nicht weiter darüber auslassen, ihr wisst, was ich denke.

wir waren dann zum glück relativ schnell wieder draussen, über den park, den wir gesehen haben,gibt es nicht viel zu schreiben, war halt ein park mit ner menge brautpaare, die darin ihre fotos geschossen haben. das war dann auch schon der ganze ausflug.

vielleicht noch ein wort zu einer anderen wohl typisch chinesischen sache. man ist hier ständiger bevormundung ausgesetzt. beispielsweise kann man nicht in einem park am ufer eines flusses sitzen ohne von einem parkwächter weggescheucht zu werden. man könnte ja ins 20cm tiefe wasser fallen.
oder unser führer. fünf minuten hinsetzen um die aussicht zu genießen während die anderen einmal das monument umrunden und dann eh wieder an mir vorbeikommen wird nicht geduldet. ich MUSS mitlaufen.
in china muss alles in der masse passieren, individualismus oder abweichendes verhalten wird nicht gerne gesehen und selbst bei ausländern teilweise nicht geduldet. alles ist masse: massentourismus, massenveranstaltungen, massenunterkünfte etc.
ich hab als individualist aus prinzip und backpacker aus leidenschaft damit ab und zu meine probleme.

bei diesen kritischen tönen will ichs für heute belassen. mein fieber steigt und ich muss noch zum menwatching (das einzig gute, was die massensache hervorbringt: jede menge chinesische studenten duschen im waschraum des männerwohnheims gegenüber. und unser wäscheraum liegt auf einer günstigen ebene. die anderen mädels besorgen grad bier und popcorn...) und meine zwei bier vernichten, bevor ich zu krank dafür bin.

gehabt euch wohl!



Donnerstag, 3. September 2009

heirat: lächeln, nicken, nächstes jahr!

mein hexenschuss hat mich auf letzthin auf den langsam einsetzenden verfall aufmerksam gemacht. und auch sonst ist alter ich china eine komplizierte sache, vor allem für frauen. zuerst einmal wird ein großes geheimnis daraus gemacht, selbst die chinesinnen die ich persönlich besser kenne, verraten es nur hinter vorgehaltener hand und ganz leise ins ohr geflüstert und das auch nur, weil sie sehr neugierig sind, wie alt diese seltsame europäerin ist, die da neben ihnen sitzt. dabei sind sie meistens um einiges jünger als ich, allerhöchstens 22, trotzdem ist es ein "mimi" (geheimnis), über das auf keinen fall offen geredet werden kann. erfährt man das alter seines gegenübers dann doch, ist es angebracht, erstaunt zu tun und zu sagen, dass man das bei dieser jugendlichen erscheinung nie vermutet hätte.
ich hab in der hinsicht ganz gute gene, keiner hält mich für älter als 19. kommt die wahrheit dann ans licht, blickt man in ungläubig staunende mandelaugen. und gleich darauf wird die sache sehr inquisitiv und für mich meist ungemütlich denn: "wann wirst du heiraten" ist die standardfrage. sowohl von männern als auch von frauen!
die ersten paar male hab ich noch versucht, mich rauszuwinden und die europäische freiheit zu betonen, die die emanzipation mit sich bringt. für chinesische frauen ist emanzipation allerdings was anderes: schnell möglichst gut studieren und dann einen mann mit geld heiraten, der einen möglichst hohen lebensstandard für frau und das sichere einzige kind (es sei denn, einer der partner gehört einer ethischen minderheit an, dann greift die ein-kind-politik nicht) gewährleisten kann. mir jedenfalls wurde relativ schnell klargemacht, dass meine nicht vorhandenen heiratspläne eine schreckliche und inakzeptable sache sind. mit fast 26 noch nicht unter der haube, unfassbar...
deswegen bin ich inzwischen dazu übergegangen, auf die frage nach der geplanten heirat mit 明年, nächstes jahr zu antworten. so hat es mir 马老师 in ihrer unendlichen weisheit geraten. und siehe, es funktioniert. meine freunde aus dem reich der mitte nicken daraufhin bedächtig, wünschen mir glück und die sache ist ohne viel stress erledigt.
für peking besorge ich mir definitiv einen fake-verlobungsring. hah!

ansonsten geht hier alles seinen gewohnten gang. olga und ich sind heute in die stadt gefahren, um letzte änderungen an unseren qipaos vornehmen zu lassen. am montag sind sie endlich fertig, und weil sie jetzt schon so schön sind, werde ich sicher ein foto reinstellen.
chinesische großstadt, busfahren, verhandeln und reden sind inzwischen normalität geworden. im grunde ist es ja nicht viel anders als daheim.

was definitiv anders ist, ist der studienbeginn der chinesischen studenten. anstelle von netten campusführungen und meet-the-prof-gatherings wird der chinesische freshman unabhängig vom geschlecht in eine schlammgrüne unisize-uniform gesteckt und verbringt die erste woche mit strammem exerzieren auf dem campusplatz. dafür rückt selbst das militär mit einer hundertschaft an, um das ganze zu überwachen. hätten wir hier nicht sonnenschein und gepflasterte wege, könnte man sich leicht in ein militärlager versetzt fühlen. zu den exerzitien läuft übrigens von morgens bis abends die bereits erwähnte höllische musik. und ja, es ist immer noch die selbe cd. lautsprecher sind auch an allem angebracht, was halbwegs senkrecht im boden steckt. man kann dem ganzen einfach nicht entgehen, meine aggressionen bewältige ich daher mit hausputz.
morgen müssen wir zu allem überfluss bei der militärparade der studenten anwesend sein, die als die offizielle semesterbeginnfeier gilt. in formellen klamotten. das hätten sie mir sagen sollen, bevor ich mit packen fertig war. egal, irgendwie muss es gehen, immerhin fällt dafür der mir inzwischen lästig gewordene unterricht aus.

ich werde vermutlich exzessive leistungsverweigerung betreiben und statt stupiden auswendiglernens im klassenraum lieber in die stadt fahren und mit händlern und eigentümern kleiner restaurants reden und chinesen, die neugierig auf die blasse 老外 (laowai=ausländer/in) sind, gibt es genug. das gefühl, ein seltenes tier im zoo zu sein, bleibt mein beständiger begleiter.

genau wie montezuma, aber da hab ich aufgehört, mich darüber aufzuregen. mit buch auf der toilette zu chillen, hat schließlich auch seinen reiz. für den auflug nach harbin am wochenende setze ich auf die bewährten tabletten. ich bin also mal wieder zwei tage nicht zu erreichen, nur falls es jemand versuchen sollte.

lasst es euch gutgehen, beste grüße aus dem mal wieder in smog gehüllten changchun!

Dienstag, 1. September 2009

willkommen in china: knipsen verboten!

我们吃你 (wir fressen dich)


im naturpark...kurz nach 拉肚子 (la duzi)


ich sehe...ich sehe...die toiletten!!!


im naturpark...kurz vor 拉肚子 (la duzi)


trip zum changbai shan: kurzer blick auf nordkorea



ich war ein bisschen faul in den letzten tagen, ich gebs zu. und auch heute ist es eine überwindung, mich nochmal hinzusetzen und zu schreiben. aber gut.

ich habe festgestellt, dass sich das alter so langsam bemerkbar macht. noch 20 tage bis zu meinem geburtstag, der mich der 30 näher sein lässt als der 20 bisher. dazu hatte ich auch ein recht schönes erlebnis. vorgestern wollte ich abends nochmal aus dem bett aufstehen um zähne zu putzen. ich rollte mich raus, bückte mich und und stand dann in unglaublich lächerlicher haltung mit tränen des schmerzes in den augen in der mitte meines zimmers und konnte weder vor noch zurück: hexenschuss. olga, die alles mitangesehen hatte, musste sich erst mal von einem viertelstündigen lachanfall erholen, bevor sich mich dahin zurückbugsieren konnte, woher ich gekommen war: mein bett. bis gestern abend schlurfte ich noch wie eine siebzigjährige gebückt durchs wohnheim. sascha kam, um fotos zu machen, gehandicapped wie ich war, konnte ich nicht mal gegenmaßnahmen ergreifen. und auch der rest meiner kollegen hat sich köstlich amüsiert. heut gehts wieder, bücken ist mir aber immer noch suspekt, ich will schließlich nicht noch einmal verfrüht ins greisentum katapultiert werden.

ich bin halbwegs froh, dass das erst jetzt passiert ist und nicht bei unserem ausflug. den hätte ich sonst nicht überlebt. mehrstündige busfahrten auf chinesischen strassen führen definitiv zu einem mittelschweren schleudertrauma. wer kennt nicht das lustige gefühl, im bus hinten zu sitzen während der bus über eine bodenwelle fährt: fühlt sich im bauch ziemlich lustig an. leute, macht das nicht in china. setzt euch so weit nach vorn wie möglich. wer die arschkarte zieht und ganz nach hinten muss, hat hinterher wirbelsäulenprobleme und im schlimmsten fall beulen am kopf, die bodenwellen sind berge und die schlaglöcher schluchten und chinesische stoßdämpfer verdienen ihren namen nicht. für kurze zeit wird ab und zu auch die schwerkraft ausgehebelt. meine bandscheiben sind nur noch pfannkuchen, glaub ich. crepes.
weiterhin abzuraten ist von der einnahme von nasenspray während der busfahrt auf solchen strassen. es sei denn, man möchte sich das zeug inklusive glasfläschchen ins riechorgan befördern. meine nase jedenfalls tut immer noch weh. und nein, ich bin nicht süchtig, ich hatte wirklich eine böse erkältung.
ein weiterer punkt der zu vermeiden wäre: das knipsen von photos entlang der grenze zwischen china und nordkorea. auf unserem weg in die changbai-region sind wir mehrere stunden entlang der chinesischen grenze gefahren, nur der fluss yalu trennt china von nordkorea. nach einiger zeit kamen wir in eine stadt, die genau gegenüber der drittgrößten nordkoreanischen ansiedlung liegt. zuerst mal muss gesagt werden, dass "drittgrößte" gar nichts heißt. die stadt ist eher ein kaff, zumindest soweit wir sehen konnten. dann ist sie so unglaublich heruntergekommen, dass selbst die manchmal schon arg verschmockten chinesischen gebäude daneben wie paläste wirken. die menschen dieses landes sind unglaublich arm und leben unter schlimmen verhältnissen, gebäude, wie wir sie da gesehen haben, würden in deutschland wegen einsturzgefahr eingerissen.
unser bus hat gehalten, wir steigen aus um uns die beine zu vertreten und natürlich machen wir auch photos über den fluss. keine drei minuten später war die polizei da, entriss einem unserer lehrer die kamera, löschte die photos und kontrollierte anschließen die meiner kollegen. ich stand auf einem treppenaufgang und habe sie rechtzeitig kommen gesehen, fix die speicherkarte aus der kamera und in meinem bh versteckt, kamera ganz unten in die tasche unter die massen an zugerotzen taschentüchern, die meinem schnupfen geschuldet waren. ich hatte auch noch gebäck in der tasche, das ich schnell auspackte, einen herzhaften bissen nahm und wie ein wiederkäuer mit dem stumpfsinnigsten blick, dessen ich mächtig bin, an den polizisten vorbeischlurfte. die sahen mich zwar misstrauisch an, ließen mich aber passieren, ich sah wohl wirklich zu dumm-harmlos aus. schließlich durften wir weiterfahren, es war nicht mehr weit bis in unser nachtquartier. abends gingen wir noch essen, unserem bus folgte ganz unauffällig ein polizeiwagen ohne licht. und auf dem weg zurück passierten wir eine militärkontrolle.
es wird einem schon etwas anders, wenn ein soldat mit maschinengewehr und unbewegter miene in den bus steigt und alles ausgiebig mustert. die von unseren lehrern angekündigte weitere durchsuchung unseres gepäcks durch die polizie aufgrund des vorfalls an der grenze blieb an diesem abend dann doch aus.
am nächsten morgen stand dann der changbaishan auf dem plan. da auch er mitten auf der grenze zwischen china und nordkorea liegt, war das militär stark präsent. irgendwann gewöhnt man sich einfach daran, wir hätten auch gerne bilder mit den chinesischen soldaten gemacht, die trauten sich aber nicht, weil sie nicht wussten ob das ihre vorschriften erlauben. so hatten wir nur einen kurzen schwatz über chinesisch auf chinesisch und zogen ansonsten unbehelligt von dannen.
zum changbaishan selbst muss ich unbedingt was sagen: ich weiß jetzt, warum dieser schlafende vulkan als heilig angesehen wird. man steht über den wolken auf seltsam federndem bimsgestein, hört nur den wind und unter einem liegt wie ein spiegel der höchstgelegenste, kälteste und tiefste kraterseee chinas, scheinbar unberührt von zeit und raum. da fühlt man sich klein, gleichzeitig friedlich und möchte für immer so stehen bleiben, weil man sich nicht sattsehen kann an dieser rauen, gewaltigen schönheit.
uns trieben dann allerdings die minusgrade schnell wieder zurück in die busse, noch mehrere stunden busfahrt bis zurück nach tongua und dann mit dem nachtzug, in dem sich olga einige nervige bisse von wasauchimmer zugezogen hat, heim nach changchun.
der ausflug war insgesamt recht nett,allerdings zu viel gesitze im bus. für den naturpark mit seinen vielen kleinen wasserfällen und dem schönen wald und den atemberaubenden changbaishan hätte ich gerne mehr zeit gehabt.

und anständige klos, aber davon morgen, sonst träume ich noch davon. nur soviel vorab: wer einmal auf einem chinesischen tankstellenklo war, wird die schlimmste toilette in der schlimmsten spelunke deutschlands (jaahaaa...laby kommt hin....) geradezu hygienisch finden.
euch noch eine schöne nacht!

Donnerstag, 27. August 2009

intermezzo: wieder daheim in changchun

大家好!

wie ihr seht bin ich wohlbehalten aus der changbai-region zurück. müde, aber endlich wieder topfit.
die letzten vier tage waren ein mix aus busfahren, besichtigungen archäologischer ausgrabungsstätten, strassen, die ein schleudertrauma auslösen können, vieeeeel essen, kurzen zwischenstopps in hotels und minderheitendörfen, vulkanexkursionen, klimaanlage, spontanerkältung, verschmockten liegewägen, militärkontrollen entlang der nordkoreanischen grenze mit konfiszierung belastender fotos aus dem land kim jong ils, rammsteingsängen im bus, den wohl ekligsten klos des planeten, hübschen chinesen, wahnsinnigen busfahrern und jeder menge spaß.
aber dazu später mehr, ich muss jetzt erstmal schlaf nachholen, der kam definitivzu kurz.

ach ja, @philus: gaaaanz so schlimm isses auch net. ich hab schon pausen zwischen meinen gängen zur schüssel gehabt; und inzwischen bin ich absolut kuriert und voll einsatzfähig. trotzdem, wenn das wort 拉肚子 (la duzi = durchfall) fällt, denken die meisten meiner leute wohl automatisch an mich. aber das is ok, solang es nicht zum neuen spitznamen wird :-)

Samstag, 22. August 2009

supermärkte, lautsprecherbeschallung und leichte artillerie: feiern in china

mir gehts wieder besser. also zumindest bis heute morgen. am letzten donnerstag hat meine sprachpartnern als es partout nicht besser werden wollte, eine lehrerin zu mir ins zimmer geschleift. diese hat mir in schnellem chinesisch irgendwas erklärt und ist dann wieder abgerauscht, mit meiner yuban (partnerin) im schlepptau. nach einer viertelstunde kam sie zurück, mit einer schüssel übellriechender reisschleimsuppe in der einen und einem tütchen mit dubiosen neongelben pillen in der anderen hand. ich wurde dann freundlich gezwungen, die suppe auszulöffeln, die übrigens ihrem geruch und aussehen entsprechend schmeckte. ich finde, darauf nicht zu spucken, ist eine meisterleistung. anschließend musste ich noch drei der gelben pillen hinterherbefördern.
das alles war zwar wirklich eklig, hat aber geholfen, mir gings jetzt zwei tage gut. ich habe festgestellt, dass nette kleine chinesinnen zu wahren generälen werden können, wenn es um die geundheit einer ihnen bekannten person geht. die strengen blicke meiner yuban und die unnachgiebige miene der sonst sehr netten lehrerin werde ich wohl nie vergessen.

gestern gings mir dann toll. deshalb dachte ich, es könne nicht schaden, mit dem hübschen chinesen (saschas sprachpartner) und ein paar anderen essen zu gehen. ich sage euch, das essen war gut. hauchdünne pfannkuchen, in die man sich nach belieben füllungen einwickeln kann. hunger hatte ich eh wie ein wolf, deswegen habe ich ziemlich geschlungen. das stellte sich im nachhinein als nicht ganz so toll raus, ich stand mit dem chinesen noch zwei stunden vorm wohnheim rum und hab mich unterhalten, da hat es schon angefangen zu grummeln. in der nacht tats dann langsam weh. und heute morgen war dann alles beim alten: lala sitzt leidend auf der toilette und hofft inbrünstig, dass olga plötzlichen schnupfen bekommt, taub wird oder zumindest musik hört, um nicht das ganze diarrhetische geröhre live mitzuerleben.
meine sanfte freundin hat übrigens auch eine sadistische seite: nach dem hörspiel auf der toilette heute morgen hat sie mich mit dem wohl ekligsten kamillentee der welt abgefüllt, wollte meine schokolade konfiszieren und wirft mir ständig strenge blicke zu.

wir haben inzwischen übrigens einen supermarkt auf den campus, im erdgeschoss des mensagebäudes. dieser wurde vorgestern feierlich eröffnet. wir haben uns noch über die artilleriegeschütze gewundert, die seit anfang der woche auf dem campus geparkt waren. wir dachten halt, das militär hat ein platzproblem und muss auslagern. mittwochs um 1 wurde dann endlich der zweck der aktion klar. für fünf minuten hatte ich das gefühl, mich an der front eines kriegsgebietes zu befinden: ohrenbetäubender lärm, wackelnde wände, blätternder putz und ohrenschmerzen. scheinbar ist das die neumodische ausführung des guten alten feuerwerks.
glück gebracht hats trotzdem: der supermarkt läuft prima und ich kann endlich milch in den vertrauten tetrapacks kaufen.

auch sonst gehts auf dem campus ziemlich rund: die chinesischen freshmen sind angekommen. nur zwei monate nach dem extrem stressigen gaokao (große prüfung, die hochschulzulassung in china, die nicht wirklich mit unserem abi zu vergleichen ist, weil so ziemlich das stressigste, was ein chinese in seinem ganzen leben durchmachen wird) fangen sie mit ihrem studium an. zum zwecke der bewillkommnung der neuen schützlinge an der alma mater wurde an jedem laternenpfahl ein lautsprecher installiert und ich könnte langsam aus der haut fahren: seit zwei tagen wir der gesamte campus mit immer derselben cd oder kasette beschallt: einem mix aus marschmusik, traditionellem chinesischen liedgut und motivationsliedern aus dem dunkel der maoära. von morgens um sechs bis abends um zehn. herrlich!!!!

morgen ist der letzte tag vor unserer exkursion zum changbaishan. ihr werdet demnach ab sonntag abend für vier tage nichts mehr von mir hören. also keine sorgen machen freunde, es geht mir gut und ich werde die heißen quellen so richtig genießen!
im übrigen: falls jemand fragen hat, über land und leute oder sonstwas: schreibt nen kommentar und ich werde mein bestes tun, im nächsten post darauf zu antworten. und auch so sind kommentare immer willkommen.
euch allen noch einen schönen nachmittag!


Mittwoch, 19. August 2009

update aus aktuellem anlass

kleines update zum aktuellen geschehen hier:

isi geht es wirklich schlecht, sie hat kopfschmerzen, temperatur und kann absolut nichts bei sich behalten. deshalb haben wir vor ein paar stunden den deutschen professor angerufen, der in der nachbarschaft unterrichtet. er kam auch gleich und hat medizin mitgebracht, die zwar vielleicht mir hilft, bei isi abernichts bringt, weil sie sie gleich wieder erbrechen muss.
deshalb sind olga und yün mit ihr ins krankenhaus gefahren, um abzklären, was sache ist. ich hoffe, nichts schlimmes, langsam ist es nicht mehr lustig und unser größter trip zum changbaishan steht auch kurz bevor.
ich selbst merke auch eine deutliche zustandsverschlechterung. wars am anfang nur lästig, wirds jetzt mittlerweile ziemlich schlimm. inzwischen habe ich kopfschmerzen und einen rauen hals, also etwa isis symptome. ich bin eigentlich nicht hypochondrisch, gerade aber seeehr vorsichtig, ich möchte nicht unbedingt der behandlung in einem chinesischen krankenhaus ausgesetzt sein.
ich glaube, ich schluck jetzt mal diese tabletten und schau was kommen wird.

lästige lecks: die rache des montezuma und andere widrigkeiten


um es vorwegzunehmen: mein verdauungstrakt hält mich fest im griff. eigentlich sollte ich ja jetzt in der uni sitzen und lernen, aber da ich alle zehn minuten richtung toilette rase, rentiert es sich nicht, hinzugehen. ausserdem bevorzuge ich mein tolles heimisches klo, in der uni gibt es nur vertiefungen im boden, über denen man sich niederlassen muss und mit meiner art des stoffwechsels wäre genaues zielen im moment nicht möglich. deswegen bin ich heute morgen hier und schreibe in den verschnaufpausen ein bisschen weiter.

ich bin übrigens nicht die einzige, die es erwischt hat. nach einer plötzlichen fieberattacke vorgestern abend mit hals- und kopfschmerzen verbringt auch isi sehr viel zeit mit dem anbeten von porzellanschüsseln, allerdings aus einer anderen perspektive. und auch natalie musste dank atemberaubender magenkrämpfe gestern das einkaufen abbrechen und ein taxi zurück zum wohnheim nehmen. woher das auf einmal kommt weiß keiner von uns so genau, es ist einfach nur lästig.

duschen ist heute auch nicht drin, es sei denn, man möchte sich schockfrosten. heißes wasser ist heute nämlich nicht verfügbar. im gegensatz zu vorgestern, da gab es kein kaltes. ihr seht also, wir leben hier unter erschwerten bedingungen. andreas hat heute trotzdem geduscht und seine schreie waren im ganzen wohnheim deutlich zu hören. war gut:-)

zum glück verpasse ich im unterricht nicht allzu viel. unsere lehrerin ist nett, manchmal allerdings zu sehr verhaftet in chinesischer methodik: stures auswendiglernen von oft sinnlosen texten oder dialogen. trainiert zwar das gehirn, ist aber furchtbar öde. im gegensatz zu würzburg liegt hier der schwerpunkt eindeutig auf dem gesprochenen wort. finde ich gut, die inhalte hätte ich mir aber anders gewünscht. ich sehe einfach absolut keinen sinn darin, eine ganze woche oberflächlich über essen zu reden. oder wie man sich vorstellt, letzteres konnten wir nämlich schon vorher. stattdessen hätte man inhalte zu lokalen oder aktuellen geschehnissen bringen können, die etwas tiefer gehen. scheint, als könne man nicht alles haben.
neben dem sprachunterricht haben wir noch kulturklassen, in denen wir kurz in künste wie kalligraphie oder taijiquan reinschnuppern können. meine erste kalligraphiestunde habe ich schon hinter mir und leute, es ist schwieriger als es aussieht, einen geraden strich zu malen. allein dafür braucht es wochenlange übung. solltet ihr also irgendwo mal auf eine chinesische kalligraphie oder gar einen leibhaftigen kalligraphen treffen, huldigt ihm. das ist ein gott.

zum unterricht wäre das so ziemlich alles, deswegen jetzt zur uni und zum wohnheim an sich.
wir residieren auf dem westcampus der changchun northeast normal university, kurz chnenu. dieser campus ist eine kleine abgeschlossene welt, mit mauern drumrum und einem bewachten zugangstor. es gibt mehrere wohnheime, darunter das internationale haus, in dem wir beherbergt sind. die wohnheime der chinesen selbst sind streng nach geschlechtern getrennt. und meiner meinung nach ziemliche gefängnisse, die mädels müssen abends spätestens um 9 im haus sein, die jungs haben immerhin ausgang bis 10. da sind wir vergleichsweisee gut dran, je nach laune des hausmeisters werden bei uns zwischen 10 und 11 die türen geschlossen. diese maßnahme beraubt uns im falle eines feuers übrigens sämtlicher fluchtwege, die fenster sind nämlich vergittert, um dieben vorzubeugen. also lieber brutzeln als beraubt werden.
die zimmer sind, abgesehen von gelegentlichen ausfallerscheinungen bei den sanitären anlagen, durchaus deutscher standard: klimaanlage, kühlschrank, bett, tisch, stuhl, flachbildfernseher, neue matratzen, decken und kissen sowie ein modernes bad, das nur ab und zu krankt. das ist, im vergleich zu den chinesischen sechs-betten-verschlägen die hier üblich sind, verdammt luxuriös, ich habe immer ein bisschen ein schlechtes gewissen, wenn ich besuch von chinesischen studenten bekomme.
ansonsten befinden sich auf dem campus noch die unterrichtsgebäude, eine mensa und die bibliothek. in der mensa kann man dreimal täglich essen bekommen, abendessen ist allerdings bis spätestens sechs, was mich ab zehn schon wieder hungern lässt. die speisen sind vielfältig, man nimmt sich eine schüssel mit fleisch oder gemüse oder tofu, kauft dann noch eine schüssel reis dazu und ist für ein paar stunden echt satt. und das zu schleuderpreisen, ich kann mir für umgerechnet einen euro am tag ganz böse den wanst vollschlagen.

wir haben auch sprachpartner bekommen, jeder einen; und natürlich jungs nur jungs und mädels nur mädels. ist halt so in china. viel bringt das meiner meinung nicht, da die meisten von ihnen englisch können und uns als willkommene übungspartner für selbiges betrachten, obwohl wir eigentlich chinesisch reden sollten. die mädels sind ausserdem recht klammerig, händchenhalten mit einer fast unbekannten person geht dann doch etwas zu weit und über die mir angenehmen grenzen von körperkontakt hinaus. nett sind sie aber alle.

ich glaube, das wars für heute, ich fühle mich ein bisschen schwach und nicht sehr gut jetzt, die busse verschiebe ich wieder mal nach hinten. aber es kommt noch,versprochen. ich hoffe nur, meine inneren turbulenzen geben sich bis zumwochenende wieder, da fahren wir nämlich auf den changbaishan und zu den heißen quellen. und durchfall kann ich da bestimmt nicht gebrauchen.
euch allen einen produktiven tag!

Montag, 17. August 2009

ankunft teil 2

drei grazien...



abendstimmung auf dem wenhua guangchang



willkommensbankett...nur ein kleiner ausschnitt



ja, da bin ich wieder. wie versprochen.
um halbwegs aktuell zu bleiben: mich hat montezumas rache erwischt. dabei kam ich in friedlicher absicht und nicht als einer der conquistadores. ich wollte nur lernen....naja. wenns nicht besser wird, kann ich immer noch entweder zu einem chinesischen arzt gehen (die haben seeeehr spezielle behandlungsmethoden) oder ich vertraue auf den inhalt einer packung vorgefertigter chinesischer medizin. irgendwie bin ich halbwegs froh, dass ich die vokabeln und zeichen noch nicht gelernt habe, die sich auf die speziellen ingredienzien beziehen.

ansonsten ist heut übrigens smog, das erste mal in changchun seit meiner ankunft. die luft kann man schneiden, ein nebeliger deutscher herbsttag ist ein scheiß dagegen. und wenn man im taxi zu viel redet und dabei das fenster auflässt, knirscht irgendwann der sand zwischen den zähnen. das wetter hier ist wirklich schlimm.

oh. und ich habe mir heute für unter 40 euro zwei maßgeschneiderte traditionelle chinesische kleider bestellt. in deutschland hätte ich dafür noch eine 0 an den preis anhängen müssen. ende august kann ich sie abholen, ich bin schon sehr gespannt. die schneiderin war eine sehr fidele person, die meiner meinung nach einiges von ihrem handwerk versteht. und nachdem sie wegen meiner breiten schultern etwas gegrummelt hat, haben wir beschlossen, das ganze doch ärmellos anzufertigen. aber ihr werdet es ja irgendwann selbst sehen.

aber nun zurück zum ankunftstag in changchun. im kleinbus bin ich erstmal durch die stadt zum wohnheim gekarrt worden. der halsbrecherische fahrstil unseres chauffeurs hat mich nicht wirklich in panik versetzt, dazu war ich viel zu müde. im wohnheim, das übrigens sehr luxuriös ist (nur zwei leute im zimmer, klima, flachbildfernseher, telefon,schrank, tisch, stuhl, kühlschrank, sehr modernes bad im gegensatz zu chinesischen 6-betten-löchern ohne klimaanlage und duschen und toiletten auf dem flur) wurde nur kurz ausgepackt, dann ging es zur bank, geld wechseln, dann in die mensa, erstes essen und schließlich hat uns eine studentin noch ein bisschen durch die gegend geführt.
ich hätte mich ja am liebsten gleich hingelegt, die nacht vor dem abflug habe ich nämlich mit packen verbracht, weil ich mal wieder mit allem viel zu spät dran war (sorry, mischka!). dann könnt ihr noch den flug und die zeitverschiebung mit dazurechnen (mir fehlt eine komplette nacht) und ihr wisst, wies mir ging. dass ich das nicht gemacht habe war ganz gut, glaube ich, so bin ich zu einer für china normalen uhrzeit ins bett gefallen und war gleich im normalen rhythmus drin. mit jetlag hatte ich jedenfalls kein problem.

dafür aber mit dem klima. ich habe es ja im vorigen post bei peking schon erwähnt: es ist heiß und schwül. zudem leidet dongbei (das sind die drei provinzen im norden, wo ich residiere) am schlimmsten und heißesten sommer seit jahren. temperaturen weit über 30 grad, feuchte luft, kein wölkchen am himmel. deshalb bin ich auch sehr froh über die klimaanlage.
wer mich etwas besser kennt weiß, dass ich in puncto technik ein absoluter vollversager bin. jedenfalls habe ich das ding eine halbe woche einfach nicht zum laufen gebracht. olga hat mich ziemlich ausgelacht....inzwischen habe ich mich aber an das klima gewöhnt, ich kann jetzt mittags einkaufen gehen ohne mich dabei in lebensgefahr zu begeben.

überhaupt bin ich in china angekommen. china ist laut, riecht anders, schmeckt anders, fühlt sich anders an, die sprache ist noch ziemlich fremd und ich verstehe die menschen nur, wenn sie langsam und deutlich reden. einkaufen ist ein abenteuer, ich weiß nie genau, was ich kaufe, die überraschung folgt beim auspacken (ja,es ist wirklich spannend); sämtliche sinne werden ständig gefordert und oft auch überfordert, aber dennoch: ich bin daheim. es hat nicht so lange gedauert, wie ich gedacht hatte, der kulturschock war nicht so gewaltig, wie mir gesagt wurde und ich kann mir vorstellen, hier zu leben. vielleicht nicht für immer, dazu bin ich allgemein zu rastlos, aber für länger durchaus. home is where the heart is, zwar hängt ein teil meines motors in deutschland (ja, du bist gemeint:-)), aber alles was sonst an kapazität zur verfügung steht, ist angekommen.
trotz durchfall, hühnerembryonen auf spießen am grillstand über die straße, zeitweilig funktionsunfähiger toiletten und durchwurschteln mit händen und füßen.

leute, china ist eine reise wert und ich freue mich auf alles, was hier noch kommen wird.
morgen erzähle ich euch dann über die uni, unsere sprachpartner, sightseeing auf die chinesische art und weise und vielleicht die busse.
in diesem sinne, alles liebe aus der nahen ferne!