Donnerstag, 27. August 2009

intermezzo: wieder daheim in changchun

大家好!

wie ihr seht bin ich wohlbehalten aus der changbai-region zurück. müde, aber endlich wieder topfit.
die letzten vier tage waren ein mix aus busfahren, besichtigungen archäologischer ausgrabungsstätten, strassen, die ein schleudertrauma auslösen können, vieeeeel essen, kurzen zwischenstopps in hotels und minderheitendörfen, vulkanexkursionen, klimaanlage, spontanerkältung, verschmockten liegewägen, militärkontrollen entlang der nordkoreanischen grenze mit konfiszierung belastender fotos aus dem land kim jong ils, rammsteingsängen im bus, den wohl ekligsten klos des planeten, hübschen chinesen, wahnsinnigen busfahrern und jeder menge spaß.
aber dazu später mehr, ich muss jetzt erstmal schlaf nachholen, der kam definitivzu kurz.

ach ja, @philus: gaaaanz so schlimm isses auch net. ich hab schon pausen zwischen meinen gängen zur schüssel gehabt; und inzwischen bin ich absolut kuriert und voll einsatzfähig. trotzdem, wenn das wort 拉肚子 (la duzi = durchfall) fällt, denken die meisten meiner leute wohl automatisch an mich. aber das is ok, solang es nicht zum neuen spitznamen wird :-)

Samstag, 22. August 2009

supermärkte, lautsprecherbeschallung und leichte artillerie: feiern in china

mir gehts wieder besser. also zumindest bis heute morgen. am letzten donnerstag hat meine sprachpartnern als es partout nicht besser werden wollte, eine lehrerin zu mir ins zimmer geschleift. diese hat mir in schnellem chinesisch irgendwas erklärt und ist dann wieder abgerauscht, mit meiner yuban (partnerin) im schlepptau. nach einer viertelstunde kam sie zurück, mit einer schüssel übellriechender reisschleimsuppe in der einen und einem tütchen mit dubiosen neongelben pillen in der anderen hand. ich wurde dann freundlich gezwungen, die suppe auszulöffeln, die übrigens ihrem geruch und aussehen entsprechend schmeckte. ich finde, darauf nicht zu spucken, ist eine meisterleistung. anschließend musste ich noch drei der gelben pillen hinterherbefördern.
das alles war zwar wirklich eklig, hat aber geholfen, mir gings jetzt zwei tage gut. ich habe festgestellt, dass nette kleine chinesinnen zu wahren generälen werden können, wenn es um die geundheit einer ihnen bekannten person geht. die strengen blicke meiner yuban und die unnachgiebige miene der sonst sehr netten lehrerin werde ich wohl nie vergessen.

gestern gings mir dann toll. deshalb dachte ich, es könne nicht schaden, mit dem hübschen chinesen (saschas sprachpartner) und ein paar anderen essen zu gehen. ich sage euch, das essen war gut. hauchdünne pfannkuchen, in die man sich nach belieben füllungen einwickeln kann. hunger hatte ich eh wie ein wolf, deswegen habe ich ziemlich geschlungen. das stellte sich im nachhinein als nicht ganz so toll raus, ich stand mit dem chinesen noch zwei stunden vorm wohnheim rum und hab mich unterhalten, da hat es schon angefangen zu grummeln. in der nacht tats dann langsam weh. und heute morgen war dann alles beim alten: lala sitzt leidend auf der toilette und hofft inbrünstig, dass olga plötzlichen schnupfen bekommt, taub wird oder zumindest musik hört, um nicht das ganze diarrhetische geröhre live mitzuerleben.
meine sanfte freundin hat übrigens auch eine sadistische seite: nach dem hörspiel auf der toilette heute morgen hat sie mich mit dem wohl ekligsten kamillentee der welt abgefüllt, wollte meine schokolade konfiszieren und wirft mir ständig strenge blicke zu.

wir haben inzwischen übrigens einen supermarkt auf den campus, im erdgeschoss des mensagebäudes. dieser wurde vorgestern feierlich eröffnet. wir haben uns noch über die artilleriegeschütze gewundert, die seit anfang der woche auf dem campus geparkt waren. wir dachten halt, das militär hat ein platzproblem und muss auslagern. mittwochs um 1 wurde dann endlich der zweck der aktion klar. für fünf minuten hatte ich das gefühl, mich an der front eines kriegsgebietes zu befinden: ohrenbetäubender lärm, wackelnde wände, blätternder putz und ohrenschmerzen. scheinbar ist das die neumodische ausführung des guten alten feuerwerks.
glück gebracht hats trotzdem: der supermarkt läuft prima und ich kann endlich milch in den vertrauten tetrapacks kaufen.

auch sonst gehts auf dem campus ziemlich rund: die chinesischen freshmen sind angekommen. nur zwei monate nach dem extrem stressigen gaokao (große prüfung, die hochschulzulassung in china, die nicht wirklich mit unserem abi zu vergleichen ist, weil so ziemlich das stressigste, was ein chinese in seinem ganzen leben durchmachen wird) fangen sie mit ihrem studium an. zum zwecke der bewillkommnung der neuen schützlinge an der alma mater wurde an jedem laternenpfahl ein lautsprecher installiert und ich könnte langsam aus der haut fahren: seit zwei tagen wir der gesamte campus mit immer derselben cd oder kasette beschallt: einem mix aus marschmusik, traditionellem chinesischen liedgut und motivationsliedern aus dem dunkel der maoära. von morgens um sechs bis abends um zehn. herrlich!!!!

morgen ist der letzte tag vor unserer exkursion zum changbaishan. ihr werdet demnach ab sonntag abend für vier tage nichts mehr von mir hören. also keine sorgen machen freunde, es geht mir gut und ich werde die heißen quellen so richtig genießen!
im übrigen: falls jemand fragen hat, über land und leute oder sonstwas: schreibt nen kommentar und ich werde mein bestes tun, im nächsten post darauf zu antworten. und auch so sind kommentare immer willkommen.
euch allen noch einen schönen nachmittag!


Mittwoch, 19. August 2009

update aus aktuellem anlass

kleines update zum aktuellen geschehen hier:

isi geht es wirklich schlecht, sie hat kopfschmerzen, temperatur und kann absolut nichts bei sich behalten. deshalb haben wir vor ein paar stunden den deutschen professor angerufen, der in der nachbarschaft unterrichtet. er kam auch gleich und hat medizin mitgebracht, die zwar vielleicht mir hilft, bei isi abernichts bringt, weil sie sie gleich wieder erbrechen muss.
deshalb sind olga und yün mit ihr ins krankenhaus gefahren, um abzklären, was sache ist. ich hoffe, nichts schlimmes, langsam ist es nicht mehr lustig und unser größter trip zum changbaishan steht auch kurz bevor.
ich selbst merke auch eine deutliche zustandsverschlechterung. wars am anfang nur lästig, wirds jetzt mittlerweile ziemlich schlimm. inzwischen habe ich kopfschmerzen und einen rauen hals, also etwa isis symptome. ich bin eigentlich nicht hypochondrisch, gerade aber seeehr vorsichtig, ich möchte nicht unbedingt der behandlung in einem chinesischen krankenhaus ausgesetzt sein.
ich glaube, ich schluck jetzt mal diese tabletten und schau was kommen wird.

lästige lecks: die rache des montezuma und andere widrigkeiten


um es vorwegzunehmen: mein verdauungstrakt hält mich fest im griff. eigentlich sollte ich ja jetzt in der uni sitzen und lernen, aber da ich alle zehn minuten richtung toilette rase, rentiert es sich nicht, hinzugehen. ausserdem bevorzuge ich mein tolles heimisches klo, in der uni gibt es nur vertiefungen im boden, über denen man sich niederlassen muss und mit meiner art des stoffwechsels wäre genaues zielen im moment nicht möglich. deswegen bin ich heute morgen hier und schreibe in den verschnaufpausen ein bisschen weiter.

ich bin übrigens nicht die einzige, die es erwischt hat. nach einer plötzlichen fieberattacke vorgestern abend mit hals- und kopfschmerzen verbringt auch isi sehr viel zeit mit dem anbeten von porzellanschüsseln, allerdings aus einer anderen perspektive. und auch natalie musste dank atemberaubender magenkrämpfe gestern das einkaufen abbrechen und ein taxi zurück zum wohnheim nehmen. woher das auf einmal kommt weiß keiner von uns so genau, es ist einfach nur lästig.

duschen ist heute auch nicht drin, es sei denn, man möchte sich schockfrosten. heißes wasser ist heute nämlich nicht verfügbar. im gegensatz zu vorgestern, da gab es kein kaltes. ihr seht also, wir leben hier unter erschwerten bedingungen. andreas hat heute trotzdem geduscht und seine schreie waren im ganzen wohnheim deutlich zu hören. war gut:-)

zum glück verpasse ich im unterricht nicht allzu viel. unsere lehrerin ist nett, manchmal allerdings zu sehr verhaftet in chinesischer methodik: stures auswendiglernen von oft sinnlosen texten oder dialogen. trainiert zwar das gehirn, ist aber furchtbar öde. im gegensatz zu würzburg liegt hier der schwerpunkt eindeutig auf dem gesprochenen wort. finde ich gut, die inhalte hätte ich mir aber anders gewünscht. ich sehe einfach absolut keinen sinn darin, eine ganze woche oberflächlich über essen zu reden. oder wie man sich vorstellt, letzteres konnten wir nämlich schon vorher. stattdessen hätte man inhalte zu lokalen oder aktuellen geschehnissen bringen können, die etwas tiefer gehen. scheint, als könne man nicht alles haben.
neben dem sprachunterricht haben wir noch kulturklassen, in denen wir kurz in künste wie kalligraphie oder taijiquan reinschnuppern können. meine erste kalligraphiestunde habe ich schon hinter mir und leute, es ist schwieriger als es aussieht, einen geraden strich zu malen. allein dafür braucht es wochenlange übung. solltet ihr also irgendwo mal auf eine chinesische kalligraphie oder gar einen leibhaftigen kalligraphen treffen, huldigt ihm. das ist ein gott.

zum unterricht wäre das so ziemlich alles, deswegen jetzt zur uni und zum wohnheim an sich.
wir residieren auf dem westcampus der changchun northeast normal university, kurz chnenu. dieser campus ist eine kleine abgeschlossene welt, mit mauern drumrum und einem bewachten zugangstor. es gibt mehrere wohnheime, darunter das internationale haus, in dem wir beherbergt sind. die wohnheime der chinesen selbst sind streng nach geschlechtern getrennt. und meiner meinung nach ziemliche gefängnisse, die mädels müssen abends spätestens um 9 im haus sein, die jungs haben immerhin ausgang bis 10. da sind wir vergleichsweisee gut dran, je nach laune des hausmeisters werden bei uns zwischen 10 und 11 die türen geschlossen. diese maßnahme beraubt uns im falle eines feuers übrigens sämtlicher fluchtwege, die fenster sind nämlich vergittert, um dieben vorzubeugen. also lieber brutzeln als beraubt werden.
die zimmer sind, abgesehen von gelegentlichen ausfallerscheinungen bei den sanitären anlagen, durchaus deutscher standard: klimaanlage, kühlschrank, bett, tisch, stuhl, flachbildfernseher, neue matratzen, decken und kissen sowie ein modernes bad, das nur ab und zu krankt. das ist, im vergleich zu den chinesischen sechs-betten-verschlägen die hier üblich sind, verdammt luxuriös, ich habe immer ein bisschen ein schlechtes gewissen, wenn ich besuch von chinesischen studenten bekomme.
ansonsten befinden sich auf dem campus noch die unterrichtsgebäude, eine mensa und die bibliothek. in der mensa kann man dreimal täglich essen bekommen, abendessen ist allerdings bis spätestens sechs, was mich ab zehn schon wieder hungern lässt. die speisen sind vielfältig, man nimmt sich eine schüssel mit fleisch oder gemüse oder tofu, kauft dann noch eine schüssel reis dazu und ist für ein paar stunden echt satt. und das zu schleuderpreisen, ich kann mir für umgerechnet einen euro am tag ganz böse den wanst vollschlagen.

wir haben auch sprachpartner bekommen, jeder einen; und natürlich jungs nur jungs und mädels nur mädels. ist halt so in china. viel bringt das meiner meinung nicht, da die meisten von ihnen englisch können und uns als willkommene übungspartner für selbiges betrachten, obwohl wir eigentlich chinesisch reden sollten. die mädels sind ausserdem recht klammerig, händchenhalten mit einer fast unbekannten person geht dann doch etwas zu weit und über die mir angenehmen grenzen von körperkontakt hinaus. nett sind sie aber alle.

ich glaube, das wars für heute, ich fühle mich ein bisschen schwach und nicht sehr gut jetzt, die busse verschiebe ich wieder mal nach hinten. aber es kommt noch,versprochen. ich hoffe nur, meine inneren turbulenzen geben sich bis zumwochenende wieder, da fahren wir nämlich auf den changbaishan und zu den heißen quellen. und durchfall kann ich da bestimmt nicht gebrauchen.
euch allen einen produktiven tag!

Montag, 17. August 2009

ankunft teil 2

drei grazien...



abendstimmung auf dem wenhua guangchang



willkommensbankett...nur ein kleiner ausschnitt



ja, da bin ich wieder. wie versprochen.
um halbwegs aktuell zu bleiben: mich hat montezumas rache erwischt. dabei kam ich in friedlicher absicht und nicht als einer der conquistadores. ich wollte nur lernen....naja. wenns nicht besser wird, kann ich immer noch entweder zu einem chinesischen arzt gehen (die haben seeeehr spezielle behandlungsmethoden) oder ich vertraue auf den inhalt einer packung vorgefertigter chinesischer medizin. irgendwie bin ich halbwegs froh, dass ich die vokabeln und zeichen noch nicht gelernt habe, die sich auf die speziellen ingredienzien beziehen.

ansonsten ist heut übrigens smog, das erste mal in changchun seit meiner ankunft. die luft kann man schneiden, ein nebeliger deutscher herbsttag ist ein scheiß dagegen. und wenn man im taxi zu viel redet und dabei das fenster auflässt, knirscht irgendwann der sand zwischen den zähnen. das wetter hier ist wirklich schlimm.

oh. und ich habe mir heute für unter 40 euro zwei maßgeschneiderte traditionelle chinesische kleider bestellt. in deutschland hätte ich dafür noch eine 0 an den preis anhängen müssen. ende august kann ich sie abholen, ich bin schon sehr gespannt. die schneiderin war eine sehr fidele person, die meiner meinung nach einiges von ihrem handwerk versteht. und nachdem sie wegen meiner breiten schultern etwas gegrummelt hat, haben wir beschlossen, das ganze doch ärmellos anzufertigen. aber ihr werdet es ja irgendwann selbst sehen.

aber nun zurück zum ankunftstag in changchun. im kleinbus bin ich erstmal durch die stadt zum wohnheim gekarrt worden. der halsbrecherische fahrstil unseres chauffeurs hat mich nicht wirklich in panik versetzt, dazu war ich viel zu müde. im wohnheim, das übrigens sehr luxuriös ist (nur zwei leute im zimmer, klima, flachbildfernseher, telefon,schrank, tisch, stuhl, kühlschrank, sehr modernes bad im gegensatz zu chinesischen 6-betten-löchern ohne klimaanlage und duschen und toiletten auf dem flur) wurde nur kurz ausgepackt, dann ging es zur bank, geld wechseln, dann in die mensa, erstes essen und schließlich hat uns eine studentin noch ein bisschen durch die gegend geführt.
ich hätte mich ja am liebsten gleich hingelegt, die nacht vor dem abflug habe ich nämlich mit packen verbracht, weil ich mal wieder mit allem viel zu spät dran war (sorry, mischka!). dann könnt ihr noch den flug und die zeitverschiebung mit dazurechnen (mir fehlt eine komplette nacht) und ihr wisst, wies mir ging. dass ich das nicht gemacht habe war ganz gut, glaube ich, so bin ich zu einer für china normalen uhrzeit ins bett gefallen und war gleich im normalen rhythmus drin. mit jetlag hatte ich jedenfalls kein problem.

dafür aber mit dem klima. ich habe es ja im vorigen post bei peking schon erwähnt: es ist heiß und schwül. zudem leidet dongbei (das sind die drei provinzen im norden, wo ich residiere) am schlimmsten und heißesten sommer seit jahren. temperaturen weit über 30 grad, feuchte luft, kein wölkchen am himmel. deshalb bin ich auch sehr froh über die klimaanlage.
wer mich etwas besser kennt weiß, dass ich in puncto technik ein absoluter vollversager bin. jedenfalls habe ich das ding eine halbe woche einfach nicht zum laufen gebracht. olga hat mich ziemlich ausgelacht....inzwischen habe ich mich aber an das klima gewöhnt, ich kann jetzt mittags einkaufen gehen ohne mich dabei in lebensgefahr zu begeben.

überhaupt bin ich in china angekommen. china ist laut, riecht anders, schmeckt anders, fühlt sich anders an, die sprache ist noch ziemlich fremd und ich verstehe die menschen nur, wenn sie langsam und deutlich reden. einkaufen ist ein abenteuer, ich weiß nie genau, was ich kaufe, die überraschung folgt beim auspacken (ja,es ist wirklich spannend); sämtliche sinne werden ständig gefordert und oft auch überfordert, aber dennoch: ich bin daheim. es hat nicht so lange gedauert, wie ich gedacht hatte, der kulturschock war nicht so gewaltig, wie mir gesagt wurde und ich kann mir vorstellen, hier zu leben. vielleicht nicht für immer, dazu bin ich allgemein zu rastlos, aber für länger durchaus. home is where the heart is, zwar hängt ein teil meines motors in deutschland (ja, du bist gemeint:-)), aber alles was sonst an kapazität zur verfügung steht, ist angekommen.
trotz durchfall, hühnerembryonen auf spießen am grillstand über die straße, zeitweilig funktionsunfähiger toiletten und durchwurschteln mit händen und füßen.

leute, china ist eine reise wert und ich freue mich auf alles, was hier noch kommen wird.
morgen erzähle ich euch dann über die uni, unsere sprachpartner, sightseeing auf die chinesische art und weise und vielleicht die busse.
in diesem sinne, alles liebe aus der nahen ferne!

drei sinologinnen und ein tragischer todesfall

olga...aldaaaa...



im auto auf dem weg zum flughafen


lalas musikliste...




so....langes warten und kein lebenszeichen von mir....ich weiß, ich weiß....
aaaaaber, meine lieben, ich war auch verdammt beschäftigt. landpomeranze in millionenmetropole, das ist für erstere ziemlich stressig. und dann gibt es da noch "the great firewall", chinas ganz eigene abschirmung gegen schädliche einflüsse aus dem bösen world wide web, die man erstmal umgehen muss. jetzt isses geschafft und ich hab ein bisschen freizeit, nett wie ich bin will ich euch auch sogleich teilhaben lassen an meinem neuen leben.

vielleicht zuerst zur anreise. mein erster flug, dementsprechend nervös war ich auch. besonders olga musste darunter leiden, sie hatte das pech, im flieger neben mir zu sitzen und aus diesem grund noch eine viertelstunde nach dem start die abdrücke meiner fingernägel in ihrer handfläche. ich freue mich aber, berichten zu können, dass ich auf dem anschlussflug von peking nach changchun schon wieder relaxed war. vielleicht lag es auch an der müdigkeit. und bevor ich jetzt zu china an sich komme, möchte ich noch eine schweigeminute zum gedenken an das arme reh einlegen, dass auf der landstrasse zwischen würzburg und frankfurt vor unser auto lief und erst sterben wollte, als nach einer stunde des wartens und der schuldgefühle die polizei kam und es mit acht schüssen aus der mg erlegte. rest in peace, waldbewohner...........................

ja, mein erster eindruck von china. den bekam ich bei der landung in peking. wir fliegen durch die wolken, alles weiß, und plötzlich - "plopp" - der flieger hat aufgesetzt. ok, dachte ich mir, is vielleicht schlechtes wetter. dann musste ich aussteigen und die schwüle, heiße luft traf mich wie eine faust. oh. und es stank, muffig und ungesund. erst nach mehrmaligem nachfragen bei der einzigen in meiner gruppe, die schon chinaerfahrung hat (hi, yünni!) sickerte die wahrheit so langsam in meinen kopf. das war kein morgennebel. auch kein schlechtes wetter. die dunstglocke, die über der ganzen stadt hängt wie die personifizierung von atemwegserkrankungen an sich nennt sich smog. ich habe ernsthaft versucht, nicht allzu tief einzuatmen.

zum glück gings bald weiter, diesmal in einem viel kleineren flieger mit einem wohl viel ausgeglicheneren piloten, start und landung waren butterweich. es ist übrigens kein spass, zehn stunden am stück in einer blechbüchse eingepfercht zu sein, die aus mir unerfindlichen gründen mit fast 1000km/h in der luft rumhängt. mein gefäßsystem in den beinen hat arg gelitten und an schlaf war auch nicht zu denken: eiskalte klimaanlage und eine spanische sportlermannschaft mit lauter nervösen jungs. hah. auch die stewardessen sind nicht das, was man sich vorstellt. meine ersten versuche, mit chinesen chinesisch zu sprechen, wurden rigoros abgeblockt.

ganz kurz noch zur sicherheitskontrolle. in deutschland ist das kinkerlitzchen. in china fühlt man sich wie ein verurteilter massenmörder. ein reisedeospray, das bei uns problemlos durchging, brachte mir in peking lautes gebrüll bei tropisch feuchter aussprache ein. der sicherheitsmensch hat mehrere minuten gebraucht, bis er mich nach ausgiebigem schnüffeln am verdachtsobjekt und vorsichtigem schütteln desselben endlich durchgewunken hat. ausserdem gibt es, dank weltweiter schweinegrippehysterie, gesundheitschecks. isi wurde opfer dieser maßnahme, weil sie auf dem fragebogen in geistiger umnachtung eine verstopfte nase angkreuzt hatte. wir standen also im niemandsland des flughafens rum wie grottenolme im tageslicht und dachten, wir sehen unsere freundin nie wieder. sie kam letztendlich doch, nachdemsie die grenzer auch davon überzeugt hatte, dass ihr bauchgeldgurt keine schwangerschaft im fortgeschrittenen stadium ist, deren ergebnis sie irgendwo in china aussetzen könnte. dabei möcht ichs auch schon belassen.

in changchun wurden wir von einer beauftragten der uni mit einem kleinbus abgeholt. das bringt mich zur verkehrssituation. regeln gibt es nicht. anschnallen ist obsolet. es sind sowieso keine hierzu geeigneten vorrichtungen vorhanden. überholt wird, wo grad platz ist. der stärkere gewinnt. oder der mit der lauteren hupe. hupen scheint hier volkssport zu sein, auch wenn ich mir habe sagen lassen, dass chinesen eher in tischtennis und turmspringen glänzen. das konzert auf den strassen changchuns ist jedenfalls ohrenbetäubend. besonders gern wird auch vor schildern gehupt, die ein verbot dieses tuns anzeigen. überhaupt, der verkehr ist grausam, wer einmal in einem taxi saß, das mit 100kmh auf der gegenfahrbahn direkt auf einen laster zuhält, sollte wissen, was ich meine. zu den bussen komm ich ein anderes mal, die haben ein eigenes kapitel verdient.

nunja....ich muss jetzt leider wieder los, obwohl es noch sehr viel zu erzählen gibt. ich versuche, so schnell wie möglich auf einen aktuellen stand zu kommen, wahrscheinlich noch heute abend den zweiten teil des ersten tages nachzuliefern. ich hoffe, ihr verzeiht mir, aber ich bin wirklich in eile.
grüße aus china!

Sonntag, 2. August 2009

the final countdown

nur noch wenige tage, nicht mal mehr eine woche, dann gehts los. unter uns sinologen macht sich so langsam aber sicher aufbruchsstimmumg bemerkbar, die gespräche drehen sich um flüge, stundenpläne, raumverteilung, packlisten und andere organisatorische dinge, keinem von uns reicht die zeit so wirklich, alles geht schneller als gedacht. und dann wäre da noch die leichte wehmut, wir alle lassen schließlich liebe menschen zurück. klar, es sind nur zwei monate, aber es ist trotzdem anders als sonst denn aus china kann man nicht einfach mal so innerhalb eines tages zurückfahren wenn mans gar nicht mehr aushält, alles ist irgendwie sehr endgültig.
die meisten meiner leute haben ihre zelte in würzburg vorrübergehend abgebrochen und sind nach hause zu ihrer familie gefahren. für mich gibt es diese option leider nicht, da mir meine seminararbeit wie ein klotz am bein hängt. ich habe noch immer keinen einzigen satz geschrieben. das wird wohl eine im hau-ruck-verfahren erstellte arbeit und ich glaube, ich muss nicht extra betonen, dass ich sehr unmotiviert bin. viel lieber würde ich meine letzten tage hier genießen, zeit mit freunden verbringen und ganz stressfrei in die pack- und putzphase übergehen. das wird wohl alles am mittwoch stattfinden.
in der zwischenzeit sind mehrere mails von der für uns in china zuständigen kontaktperson eingetroffen, die unter anderem die raumverteilung, bezahlung, stundenpläne, zimmerausstattung, freizeitgestaltung sowie telefonnummern und abholservice zum thema haben. kein tag ohne mindestens eine mail mit neuen informationen.
gestern war ich ausserdem noch einkaufen, was ich zusätzlich an wäsche für changchun brauche. normalerweise hab ich ja ein problem mit hosen, überraschenderweise ging das aber in fünf minuten; unterwäsche ist auch geregelt; damit bleibt für montag noch die reiseapotheke, der kulturbeutel und technische kleinigkeiten.
von meinem kühlschrank gibt es auch nur gutes zu vermelden. er leert sich langsam und das eine kilo kartoffeln das ich wohl nicht mehr verspeisen werde, krieg ich bestimmt noch an den mann. oder die frau.
abgesehen von der seminararbeit gibt es im moment nur eine weitere sache, die meine laune ein bisschen richtung keller befördert. vor über ner woche habe ich einen mp3-player bestellt, lieferung war express. ja, und er ist immer noch nicht da. ich weiß nicht, warum die leute so lange dafür brauchen. ich hoff er kommt bis mittwoch an, sonst hab ich musiktechnisch ein echtes problem. ein tag flug und flughafen ohne die children of bodom oder samael, ich werde bestimmt sterben.
meine freunde weisen mich ausserdem ständig auf die tatsache hin dass ich im flugzeug nicht rauchen darf. ein gewisses maß an entzugserscheinungen ist also vorprogrammiert, ich spiele mit dem gedanken an nikotinpflaster, aber das ist ja nicht das selbe. nachdem ich in changchun sowieso aufhören wollte (rauchende frauen gelten in china nicht als so toll) werd ich wohl gleich die hardcorevariante bezüglich kompletten entzugs durchziehen. fürchtet euch, tongxuemen, ich werde einige tage unausstehlich sein. vor allem olga, die mit mir ein zimmer teilt, wird mich hassen.
vielleicht noch kurz zum flug: ich fliege am donnerstag, den 06. august um 14:50 von frankfurt nach beijing, von dort geht es nach dreieinhalb stunden aufenthalt und terminalwechsel weiter nach changchun. um mein gepäck mach ich mir erstmal keine sorgen; normalerweise hat man 20 kg frei, da meine fünfergruppe (olga, isi, yün, kathi und ich) allerdings über ein chinesisches reisebüro gebucht haben, dürfen wir sogar 30kg mitnehmen. das sollte eigentlich reichen. rückflug wird schon schwieriger, ich habe vor, mir einige chinesische bücher für den eigengebrauch zu importieren. und die mitbringsel nehmen ja auch noch raum und gewicht ein.
was ich nicht genau weiß ist, wieviel früher wir am flughafen sein müssen für das check-in. ist ja mein erster flug. isi meinte heute am frühstückstisch, dass es wohl vier stunden sein müssen, was sich so ungefähr mit dem deckt, was ich aus anderen quellen gehört habe. im klartext heißt das dann, dass wir zwischen zehn und elf in frankfürt sein müssen, ich dann hier um 8 morgens abfahren muss und, wenn ich noch ordentlich frühstücken will, um 6 aufstehen. himmlische freude. ich werde also schon müde sein, wenn ich im flieger sitze.
damit wäre für heute alles gesagt und ich widme mich wieder meiner seminararbeit über die chinesischen triaden.